Varansi ist eine Großstadt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh und ist eine der ältesten Städte Indiens. Ihr Name leitet sich von den zwei Flüssen Varuna und Assi ab, zwischen deren Mündungen in den Ganges der alte Stadtkern liegt. Sie ist aber auch unter den Namen Benares oder Kashi bekannt. Sie liegt direkt an Indiens zweitgrößtem Fluss, dem Ganges, und gilt als die heiligste Stadt des Hinduismus und somit der rund 900 Millionen Hindus auf der Welt.

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Varansi soll die Stadt Shivas sein, einer der Hauptgötter aus der hinduistischen Götter-Trinitat: Brahma, Vishnu und Shiva. Wörtlich übersetzt heißt Shiva „der Liebevolle“ oder „der Glückverheißende“. Seit der Stadtgründung vor mehr als 3000 Jahren pilgern täglich zehntausende gläubige Hindus von überall dorthin. Jeder Hindu sollte mindestens einmal pro Jahr eine Pilgerreise unternehmen.

Ein weiterer Grund, warum jeder gläubige Hindu versucht, dorthin zu kommen, ist, weil sie die Stadt des Todes ist: Hindus reisen dorthin, um auf ihren Tod zu warten, sie nennen den Ganges auch „Mutter Ganga“.

Neben Varansi liegen auch viele weitere Pilgerorte an seinem Ufer. Der Glaube besagt, dass man dadurch dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten entkommen könne und in die Ewigkeit eintritt. Das heilige Ritual ist immer gleich: Ein Leichnam wird verbrannt und seine Asche anschließend in den Ganges verstreut, welcher auch als heilig gilt.

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  Deshalb reisen auch viele Angehörige von Verstorbenen, die die Asche eines geliebten Menschen in den Ganges streuen wollen, in die Stadt. Das Wasser des Flusses wird Amrita genannt, was „Nektar der Unsterblichkeit“ bedeutet. Hindus glauben, dass ihnen alle Sünden vergeben werden, wenn sie in diesem Fluss ein Bad nehmen. Etwa 60000 Menschen baden dort jeden Tag! Viele Menschen kommen auch an den Ganges, um ihre Wäsche zu waschen.

Höhepunkt jedes Tages ist ein abendliches Ritual, das den Göttern gewidmet ist und mit viel Feuer, Musik und Gesang gefeiert wird.

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Das Ziel der Pilger ist eine der mehr als 80 Ghats in der Stadt – die zu dem Fluss hinunterführenden Stufungen. Eines der berühmtesten Ghats ist der Manikarnika, Varanasis grösste Verbrennungsstätte: Tag und Nacht werden hier viele der Toten verbrannt. Für die Hindus ist dies ein Ort des Friedens – das Ritual der Verbrennung bedeutet sowohl Zerstörung, als auch Neuerschaffung.

Verstorbene Kindern oder Priestern werden aus Glaubensgründen jedoch nicht verbrannt, sondern mit einem Gewicht beschwert versenkt. Oft reicht auch das Brennholz für die anderen Leichname nicht aus, so dass auch die halbverkohlten Leichen in den Fluss gekippt werden. Deswegen zählt Indiens heiligster Fluss auch zu einem der schmutzigsten Gewässer auf der ganzen Welt. Die indische Umweltorganisation Clean Ganga“ hat ausgerechnet, dass der Ganges bei Varanasi einen drastisch erhöhten Wert für Kolibakterien aufweist, mehrere zehntausend Mal so hoch wie inanderen Gewässern. Wie bei jedem Lebewesen setzen auch beim Menschen nach dem Tod Fäulnisprozesse ein: besonders gefährlich ist das Bakterium Clostridium botulinum, da es ein Gift namens Botulinumtoxin produziert, welches zu den tödlichsten Substanzen der Welt gehört.

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Jeder dreizehnte Bewohner der Erde ist von dem Wasser des Ganges abhängig, nicht nur, weil er in gewisser Weise als Friedhof gilt, sondern auch, weil er Trinkwasser spendet und Arbeit gibt. Allein in Varansi leben rund 1200000 Einwohner, somit ist die Stadt die sechst-größte Stadt des Bundestaates. Bevor der Ganges nach 2500 Kilometern das Meer erreicht, versorgen in mehr als 50 größere Zuflüsse mit großen Frischwassermengen. Allerdings leiten Inder täglich auch fast vier Milliarden Liter ungeklärte Abwässer in den heiligen Fluss.