Wenn es um technische Entwicklung geht, hinkt Indien im Vergleich zu westlichen Ländern in der Regel deutlich hinterher. Doch gerade im Bereich der Internetnutzung hat Indien in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, denn die Anzahl der Nutzer des World Wide Web nimmt regelmäßig zu. Etwa 462 Millionen Menschen, also ein Drittel der insgesamt 1,3 Milliarden Einwohner Indiens, nutzt mittlerweile das Internet.

In Sachen Internetnutzung ist Indien sogar das vierte wachstumsstärkste Land der Welt, denn die Internetnutzung nimmt hier jedes Jahr etwa um 23% zu. Ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass der globale Durchschnitt bei nur 10% liegt. In Deutschland und anderen westlichen Ländern hat das Wachstum allerdings längst den Höhepunkt erreicht, denn das Internet ist hier mittlerweile zur Selbstverständlichkeit und im Alltag unverzichtbar geworden.

Inder verbringen täglich ca. 8 Stunden im Netz und übertreffen damit sogar ihre chinesische Nachbarn, die durchschnittlich etwa nur 6 Stunden im Internet surfen. Diese langen Online-Zeiten sind aber auch den langen Ladezeiten geschuldet, denn einem Mittelwert zufolge, schafft es ein gewöhnlicher Internetzugang in Indien gerade mal auf 4,1 MB/s, was im Verglich zum internationalen Durchschnitt von 6,3 MB/s oder dem deutschen Durchschnitt von 13,7 MB/s deutlich weniger ist. Die Internetverbindung in Indien ist von westlichen Standards ausgehend also äußerst schlecht.

Das Internet-Nutzungsverhalten der Inder unterscheidet sich jedoch nicht nur aufgrund der Nutzeranzahl oder der Verbindungsqualität von Europa oder Amerika. Berichten der Marketingagenturen „We Are Social“ und „Hootsuite“ zufolge, wird der Internetzugang hier zu ca. 80% über mobile Endgeräte und nicht über den heimischen PC hergestellt. Dies liegt vor allem daran, dass die in westlichen Ländern zur Herstellung einer Verbindung verwendeten Kupferkabel in Indien einfach zu teuer sind. Entwicklungsländer und Schwellenländer wie Indien setzten daher lieber auf drahtlose Verbindungen und sind daher noch viel häufiger mit einem Smartphone in der Hand zu sehen als Europäer oder Amerikaner, die das Internet nur zu 50% über mobile Geräte aufsuchen.