Dass man als Autofahrer im Stadtverkehr starke Nerven braucht, dass wissen auch wir in Deutschland.
Im Vergleich zu den Verkehrsteilnehmern Mumbais (Indien) kann der deutsche Autofahrer sich jedoch mehr als glücklich schätzen.

Erst kürzlich wurde durch eine weltweit durchgeführte Studie, die sich auf internationale GSP Daten berief, festgestellt, dass Mumbai die Stadt mit der wohl schlechtesten Verkehrssituation ist. Als Wert wurde der Unterschied zwischen der Fahrtdauer auf komplett leerer Straße und der Fahrtdauer während Verkehrsstaus gemessen.
Das Ergebnis: Rund 65% länger dauert eine Autofahrt auf den Straßen Mumbais zu Stoßzeiten (meist Arbeitsbeginn, Arbeitsende, sowie Wochenenden) gegenüber einer Fahrt auf leeren Straßen.
Zum Vergleich: In New York verlängert sich die Autofahrt während der Stoßzeiten nur um 36%.

Photo by Malhar Garud on Unsplash

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Mit diesem Wert liegt Mumbai im weltweiten Ranking sogar vor den Metropolstädten Bogota (Kolumbien) und Lima (Peru).
Im Jahr 2018 lag der höchste Wert, am Fest des Fastenbrechens (Eid-Abend), sogar bei einer Zeitverlängerung von 111%. Am schnellsten kam man am 2. März, dem indischen Holifest, durch den Verkehr. An diesem Tag war man nur um 16% langsamer. Außerdem liegt die Verstopfung der Straße auf Nicht-Autobahnen (Landstraßen) bei ca. 76% im Vergleich zu Autobahnen mit 56%. 

Grund für die extremen Verkehrsstaus und Straßenverstopfung ist vor allem, dass es in Mumbai keine einheitlichen Regelungen gibt, welche Fahrzeuge wo und wie fahren dürfen. Auch die Tatsache, dass Sperrungen erst dann an die Verkehrspolizei weitergegeben werden, wenn sie bereits vollzogen wurden, bedingen ein großes Verkehrschaos. Außerdem – und dies ist vermutlich der offensichtlichste Grund – leben nach dem Stand 2011 mehr als 18 Millionen Menschen in Mumbai, deren Autogebrauch nur geringfügig durch Restriktionen beschränkt wird. Eine konkretes Konzept, um die Situation zu verbessern gibt es im Moment noch nicht.

Man müsse mehr öffentliche Verkehrsmittel etablieren und in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen, so der derzeitige Lösungsvorschlag.

Auch Ralf-Peter Schaefer, der Vizepräsident des Navi-Herstellers TomTom, weiß: „Straßenverstopfung ist ein Thema, dass weltweit immer mehr in den Vordergrund tritt. Und das ist beides: gut und schlecht. Gut, weil es ein Zeichen ist, dass die Wirtschaft blüht, aber auf der anderen Seite ist es auch sehr schlecht, weil der Autofahrer Stunden im Verkehr verschwendet. Ganz zu schweigen von den Folgen für die Umwelt„.