Gaudi Shindes besonderer Stil, aus dem Leben gegriffene Geschichten mit tiefen Emotionen zu erzählen ist einzigartig und unverwechselbar in der neuesten Produktion aus Indiens Traumfabrik. Nach ihrem Erfolg mit „English Vinglish“ aus dem Jahr 2012 hat sie mit der Besetzung Shah Rukh Khans und Alia Bhatts für ihren neuen Film „Dear Zindagi“ einen weiteren großen Schritt nach vorn getan. Das Storyboard des Films hebt sich im Vergleich zu gewöhnlichen Bollywoodfilmen ab und sein Soundtrack sollte ebenso vielfältig und aufregend werden. Mit Amit Trivedi im Studio und Texten von Kausar Munir wird sie sich darüber keine großen Sorgen machen müssen, waren sie es doch, die auch den Soundtrack zu ihrem ersten Erfolgsfilm beisteuerten.

Sunidhi Chauhan eröffnet das Album mit Just Go To Hell Dil. Ein trauriger Song voller Herzschmerz scheint nicht der allerbeste Start für ein solch ein Album zu sein. Er hilft jedoch, sich auf die Story und den Seelenzustand von Bhatts Charakter im Film einzustellen. Trivedi hat diesen Song in einem Soft-Rock-Arrangement komponiert – mit den Drums als führende Instrumente gefolgt von Geigensoli. Die Melodie des Stücks ist nicht zu aufregend und wahrscheinlich inspiriert von eher unbedeutenden Songs. Der Text Munirs, der sich von Traurigkeit über Enttäuschung bis hin zur völligen Resignation über den Schmerz erstreckt – verfängt sich in den Wirrungen der Musik und ist ebenfalls eher mittelmäßig. Chauhans Gesang ist wohl das größte Alleinstellungsmerkmal. Ihre Stimme spiegelt förmlich ihre innere Zerrissenheit und ihren Kampf gegen den Herzschmerz wieder, indem sie Flüstern und hohe Töne vereint.

Jasleen Royals Titelsong Love you Zindagi hat bereits vor seiner Veröffentlichung erste Wellen geschlagen. Ihre Stimme hat etwas magisches, das an Unschuld und Reinheit erinnert und den Hörer jedes einzelne Wort ihrer Lyrics glauben lässt. Ihr Gesangsstil ist ziemlich einzigartig und modern in diesem Song. Obwohl der Titelrefrain in seinem Muster fast schon klischeehaft klingt, hat der gesamte Song doch eine eigene Identität. Mit seinem Countrymusic-Style erhält der Song eine entspannte Atmosphäre, der Sound versetzt den Zuschauer mitten in ein typisches Western-Dorf. Auch der Text trägt eine gewisse Lebendigkeit bei und passt perfekt zu dem Musikstil. Love You Zindagi könnte Non-Stop in Endlosschleife laufen, ohne, dass es langweilig werden würde.

Tu Hi Hai stammt von dem brillanten Arijit Singh. Der Song beginnt mit unschuldig romantischen „tu hi toh nahi“-Fragen, die bald in „tu hi hai“-Antworten münden – diese Abfolge bestimmt den ganzen Song. Ein erbauliches Arrangement geht hier mit einer sanften Tonalität einher, was perfekt zu den Stil des Songs passt. Die Instrumentation, die diesen Stil erzeugt ist zwar ziemlich klischeehaft aber gleichzeitig auch innovativ. Gitarren mit Mandolinen und griechischen Bouzoukis zu kombinieren gibt dem Song einen mediterranen Touch. Singhs unverwechselbares romantisches Timbre eignet sich sehr gut für diesen Song und verleiht ihm unerwartet positive Vibes.

Taarefon Se ist noch ein wundervoller, romantischer Song. Eine reine Jazzkomposition mit Jazz-Drums, Klavier, Akustikgitarre und Saxofon – dieser Song ist ein musikalischer Leckerbissen, vielleicht sogar der beste Song des Soundtracks. Harmonien und Melodie sind so kompliziert und dennoch ausgewogen, dass es einem die Sprache verschlägt. Text und Gesang sind genauso gut auf das Arrangement abgestimmt – was den Song auf eine ganz andere Ebene hebt.

Vishal Dadlani folgt mit Let’s Break Up. Melodie und Sound sind hier ziemlich typisch Trivedi und dennoch eine Art Wendepunkt. Eine durchgängige tiefe Bassgitarre und große Bläser bilden das Kernstück dieser im Gegensatz zum Titel eher positiven Komposition und erinnern an viele ältere Trivedi-Songs. Er füllt die Bridges gleich mit mehreren Instrumentensoli aus, die den Song durchaus Clubtauglich machen. Dadlani ist einfach dafür prädestiniert, die beinahe überfallartige positive Energie mit seiner Stimme nach Außen zu tragen. Kleiner Fun-Fact am Rande: „Let’s break up“ wurde einen Tag nach „The Break Up Song“ aus ‘Ae Dil Hai Mushkil’ (2016) veröffentlicht, was in den Social Media-Portalen für einige Verwirrung sorgte.

Arijit Singh erweckt Ilaiyaraajas Klassiker Ae Zindagi Gale Laga Le – 1 für den Film zu neuem Leben. Komposition, Arrangement und Text des Originals bleiben dabei unberührt. Die Instrumentation hingegen wurde dabei mit verstärkten Gitarren modernisiert, die auch nur ein Hauptsolo besetzen um die Authentizität des Originals beizubehalten. Singhs Gesang ohne größere Wendungen wirkt im Vergleich zu Suresh Wadkars Version fast schon zu einfach. Als gelungener Mittelweg zwischen der Weiterentwicklung des Originals und der Erinnerung der neuen Generation an diesen Klassiker ist dieser Song ebenfalls ein echtes Highlight.

Ae Zindagi Gale Laga Le – 2 ist ein angemessener Versuch, diesen Song ins Jahr 2016 zu transportieren und weit mehr als ein typischer Remix. Das Arrangement mit Break-Beat und Drum’n’Bass bringt den „Asian Underground Sound“ in den Bollywood Mainstream. Eine weitere bemerkenswerte Ergänzung in dem Song sind die Vocals von Alia Bhatt. Ein passendes Solo gibt ihr eine gute Möglichkeit zu glänzen obwohl ihr Gesang streckenweise ziemlich flach ist. Alles in allem ist dies ein Song, den man entweder lieben oder hassen muss – jenachdem, ob man Remixes von Klassikern mag oder nicht.

Alia Bhatt versucht sich auch an dem dynamischeren Titeltrack Love You Zindagi (Club Mix). Die Musik ist ziemlich typisch mit einer Synth-Line und Clubbeats, die die Stimmung des Originals durch die Beibehaltung der Originalinstrumentation für ein Nightclub-Setting wiederbeleben. Bhatts Gesang ist auch hier nicht schlecht. Auf jeden Fall hat sie ein großes gesangliches Talent. Vielleicht hören wir  in Zukunft mehr von ihr. Außer ein paar Club-DJs wird sich aber wohl niemand in diesen Song verlieben.

Ein Ritt durch die Genres

Amit Trivedi ist mit dem Soundtrack zu „Dear Zindagi“ zur Höchstform aufgelaufen. Auf diesem Album zeigt er einmal mehr, dass sein Kaliber und musikalisches Talent keine Grenzen kennt. Romantisch, jazzig, inspirierend bis hin zur Wiederbelebung eines Hollywoodklassikers – viele Komponisten würden daran scheitern, so viele verschiedene Genres in nur ein einziges Album mit acht Songs zu pressen. Die Bandbreite in der Instrumentation ist sehr aufwendig gestaltet, sodass jeder Song seine ganz eigene Identität besitzt. Seine Zusammenarbeit mit Kausar Manier verhilft beiden zu Höchstleistungen. Auch das gesangliche Talent der Künstler ist außergewöhnlich mit einem sehr gut aufgelegten Arijit Singh, aber auch Performances von Jasleen Kaur, Vishal Dadlani, Sunidhi Chauhan und sogar Alia Bhatt, die ihren Teil dazu beisteuerte. Dieses Album wird sicher noch jahrelang auf den Playlists dieser Welt zu finden sein.

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