Scheinbar aus dem Nichts ist indischer Hip-Hop innerhalb von wenigen Jahren zu einem echten Phänomen geworden. Inzwischen sind der Szene nicht nur eine Vielzahl neuer Stars entsprungen, sie soll bald sogar auf die große Leinwand kommen. Besonders der jüngeren Generation scheint die Musik eine Stimme zu geben, die endlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Vom Untergrund ins Rampenlicht

Den Ursprung hat das Musikphänomen in den ärmeren Regionen von Mumbai, insbesondere Dharavi. Dadurch, dass das Genre immer mehr Aufmerksamkeit bekommt, findet die Community, welche sich von den Geschäftsmännern und Superreichen der Metropole ignoriert fühlt, eine kraftvolle, eigene Stimme. Darunter stechen besonders die Klänge von Dharavi United Cypher, einer Gruppe von Freestyle Rappern, heraus. Angeführt von Dopeadelicz, lädt sie in diesem Clip, auf eine überraschend poetische Reise durch die Slums von Dharavi ein. Interessant, wie die indische Hip-Hop Szene viel Ähnlichkeit mit der New Yorker Bewegung in den 70er Jahren hat. Den Ghettos von The Bronx sind damals die bekanntesten Rapper der Welt entsprungen. Hip-Hop Fans sollten also ein Auge (und Ohr) auf die Entwicklung von Dharavi behalten.

Ganz nach dem ironischen Motto „Make India Great Again“, sehen die Rapper in ihrer Musik neue Möglichkeiten für eine unbeachtete Generation:

Der wohl bekannteste Inder aus der Szene ist Divine, der unter anderem mit der Grammy-nominierten indisch-amerikanischen Rapperin und Songwriterin Raja Kumari die Hymne City Slums singt. Inspiriert wurde er von Rappern aus den USA wie Nas und Jay-Z, die ihren regionalen Slang in Songtexte einbauen. Auch er fing deshalb an auf seiner Muttersprache Hindi zu rappen. Die Songs von Divine haben im Web viel Anklang gefunden und er hat sich eine stabile Fanbase aufgebaut. Andere indische Hip-Hop Musiker hat er dazu inspiriert auf ihrer eigenen Sprache zu singen. Sein Song Farak handelt von seinen Gefühlen während der Reise zum Erfolg; das Video wurde in Mumbai und Goa gedreht.

Inzwischen hat sich der indische Hip-Hop aus den Slums Mumbais auch seine Existenz in den Mainstream Medien verdient. 2019 soll eine High Budget Doku über die indische Hip-Hop Szene unter dem Titel Gully Boy erscheinen. Damit Bollywood nicht die Authentizität der Szene verändert, wurden Stars wie Ranveer Singh und Alia Bhatt in Punkten Klang, Methoden und Performance bereits von Divine und Rapper-Kollege Naezy unterrichtet.

So viel hat die indische Musikszene zu bieten. Wer eine Alternative zu Bollywood-Klängen sucht, kann in unseren Artikeln Künstler von Elektropop bis hin zu Indie kennenlernen.