Erst Mitte September wurde im indischen Bundesstaat Sikkim im südlichen Himalaya der neue und Sikkims erster Pakyong-Airport eröffnet. Jetzt machte der Staat schon wieder mit guten Neuigkeiten in die Schlagzeilen: als Bio-Paradies! Das ehemalige Königreich war schon immer stolz auf seine landwirtschaftliche Tradition, seinen hohe Biodiversität und seine enge Verbundenheit zur Natur.

Seit Januar 2016 sind alle landwirtschaftlichen Flächen dort bio-zertifiziert, dies erklärten der indische Premierminister Narendra Modi und Sikkims Ministerpräsident Shri Pawan Kumar Chamling. Alle 66000 Kleinbauern verzichten auf Pestizide, Kunstdünger und Gentechnik, nutzen stattdessen pflanzliche Insektenschutzmittel, organischen Dünger oder Kompost. Chamling hatte dies so verordnet.

Shri Pawan Kumar Chamling ist seit 1994 ununterbrochen Sikkims Ministerpräsident, er wurde bereits fünfmal mit deutlicher Mehrheit

By soumyajit pramanick [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)] via flickr

wiedergewählt. Für sein Projekt, Sikkim zu einem Bio-Staat zu machen, wurde er auch mehrfach ausgezeichnet: er erhielt unter anderem den „Sustainable Development Leadership Award 2016“ von Energy and Resources Institute (TERI), oder den „One World Grand Prix Award 2017“ von Rapunzel unter der Schirmherrschaft von IFOAM. Außerdem wurde er von der Organisation Navdanya zum Botschafter für „Bio-Himalaya“ und eine Bio-Welt im October 2017 berufen

2003 verkündete er, dass Sikkim seine gesamte Landwirtschaft umbauen würde, da chemischen Stoffe das gesamte Ökosystem gefährdeten. Ihm sei es wichtig, seine Bevölkerung – die rund 620000 Einwohner des Bundesstaats – und die Tiere vor den Folgen „einer Chemielandwirtschaft“ zu bewahren. Die Bauern sollten fortan schrittweise und freiwillig auf synthetische Spritz- und Düngemittel verzichten. Um dies zu erreichen, wurde Kunstdünger teurer, und damit unattraktiver, indem staatliche Förderungen gekürzt wurden.

Seit zwei Jahren ist es endlich so weit: im ganzen Staat gibt es zu 100 Prozent Öko-Landwirtschaft! Damit ist Sikkim der erste „Bio-Staat“ der Welt. In Deutschland sind gerade mal 8% der gesamten Landwirtschaft „öko“.  Seit 1. April 2018 darf laut Gesetz offiziell kein konventionell angebautes Obst und Gemüse mehr nach Sikkim eingeführt werden. Auch der Gebrauch, die Einfuhr und der Verkauf von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln sind verboten und werdem mit bis zu 300 Euro und bis zu drei Monate Haft bestraft.

Seit Beginn des Projekts Sikkim Organic Mission stellt die Regierung von Sikkim alle benötigten Hilfsmittel wie Kompostplätze oder technisches Equipment kostenlos zur Verfügung. Sie hat mehr als 10000 Kompostplätze errichten lassen. Außerdem soll jeder Betrieb eine Kuh halten, um neben der fruchtbaren Komposterde auch nährstoffreichen Mist auf die Felder ausbringen zu können. Zudem wird im eigens geschaffenen staatlichen Forschungszentrum für ökologischen Landbau traditionelles Wissen mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert. Es werden auch umfangreiche Angebote für Schulungen, Weiterbildung und Aufklärungsprogramme, die die Bevölkerung und Landwirte über die Vorteile von Bio-Landbau informieren, angeboten.

Von Shiv’s fotografia – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62494537

„Ich rufe alle Bürger unseres schönen Himalaya Staates auf, Die Sikkim Organic Mission zu einem großen Erfolg zu machen. Dies wird nicht nur Gutes in Bezug auf Gesundheit und Wohlstand bringen, sondern auch einen unbezahlbaren Nutzen für unser kostbares Land, für die Quellen und die gesamte Ökologie haben.“, sagte Chamling 2010, als er die Sikkim Organis Mission startete.

In Sikkim wird bis zu dreimal im Jahr wird geerntet: von Hirse, Weizen, Mais und Reis über Bananen und Mangos bis hin zu Gurken, Kiwis, Walnüssen und Gewürzen. Neben der Selbstversorgung beinhaltet das Konzept auch die Vermarktung der Produkte – so verkaufen die Farmer ihre Ware an lokale Händler, welche die Bioware auf dem gesamten indischen Markt verkaufen. Wichtige Exportprodukte sind Tee und Kardamom. Die Umstellung auf Bio war aber gar nicht so einfach – gerade am Anfang hatten viele Bauern mit Ernteausfällen zu kämpfen, bei manchen misslang der Anbau ganz.