Indien auf einer Rikscha durchqueren? Das klingt erst einmal vollkommen verrückt, ist jedoch beim britischen Unternehmen „The Adventurists“ ganz normales Programm. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Welt weniger langweilig zu machen. Unsicherheit stellt für das Unternehmen den besonderes Reiz dar. Daher veranstaltet die Gruppe seit 2006 eine zwei- bis dreiwöchige Tour durch Indien, den „Rickshaw Run“. Mittlerweile findet dieses Rennen dreimal pro Jahr statt. Im Januar soll die Strecke zwischen dem südlichen Cochin ins nordwestliche Jaisalmer führen, im April von Jaisalmer ins nordöstliche Shillong und im August von Shillong ins südliche Kochi. Die Streckenlänge liegt zwischen 2500 – 4000 km und das Wichtigste an der Tour sei das Abenteuer, nicht zwingend das Ziel selbst. Die Teilnehmer sollen sich Indien und seiner Bevölkerung quasi ausliefern. Den Teams wird nur Start und Ziel vorgegeben, wie sie jedoch innerhalb der 2-3 Wochen dort hin kommen, bleibt ihnen vollkommen selbst überlassen. Dieses Konzept bezeichnen die Schöpfer als „Un-Route“. Das bedeutet im Endeffekt keine festgelegte Route, kein Ersatzfahrzeug und keine Sicherheit darüber, ob man das Ziel auch tatsächlich erreichen wird. Einzig gesichert ist, dass man sich verlieren, stecken bleiben und eine Panne haben wird. Genau dafür haben sich die Veranstalter die Rikscha als Gefährt für die Tour ausgesucht. Das 7 PS-starke, dreirädrige Gefährt mit Lenkstange gilt als nicht besonders zuverlässig, vor allen Dingen auf den meist schlecht ausgebauten, holprigen Strecken in Indien. Die umgangssprachlich auch bezeichneten „Tuk-Tuks“ bieten maximal für vier Personen Platz und haben vor allem im asiatischen Raum Tradition als Taxi. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei rund 50 km/h, die Normalgeschwindigkeit bei rund 35 km/h.

Mittlerweile melden sich circa 100 Teams zu dem Rennen an. Wer Lust auf dieses einmalige Erlebnis hat, kann sich online bei den „Adventurists“ anmelden. Das Unternehmen bietet des Weiteren eine große Bandbreite an Informationen rund um Anreise, Visum oder auch Versicherungen an. Die Rahmenbedingungen sollen geklärt sein, bevor man sich auf die wilde Fahrt begibt. Um sich mit der Rikscha vertraut zu machen, wird ein dreitägiger Workshop angeboten, so dass sich die Teilnehmer am Gefährt, welches sie die nächsten Tage begleiten wird, versuchen können. Um das Rennen und natürlich die Rikschas selbst zu einem Augenschmaus zu machen, hat sich das Unternehmen etwas einfallen lassen. Das sogenannte „Distance Pimping“ bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, Designs, Artworks oder allgemein Vorstellungen darüber einzureichen, wie die Rikscha fürs Rennen „gestylt“ werden soll. In Indien ansässige Künstler kümmern sich dann darum und verwirklichen, soweit wie möglich, die Pläne der Teams. Im Rahmen der Veranstaltung wird dann ein Preis für das beste Gesamtkunstwerk verliehen.

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Der eigentliche Zweck der Veranstaltung liegt jedoch im Bereich der Wohltätigkeit. Die teilnehmenden Teams werden dazu aufgefordert, mindestens 1000 Pfund für wohltätige Zwecke bereitzustellen. Eine Hälfte davon geht an eine Einrichtung ihrer Wahl, die andere an das offizielle Wohltätigkeitsprojekt der Veranstalter – „Cool Earth“. Das Projekt setzt sich vorwiegend für die Rettung des Regenwaldes ein. Hierfür soll lokalen Gemeinschaften geholfen werden, ihren Wald legal kontrollieren zu können. Zudem setzt sich „Cool Earth“ für den Bau von Schulen und Kliniken ein.

Der „Rickshaw Run“ ist daher nicht nur ein Spaß-Event, sondern hat einen ernsten Hintergrund. Diese Möglichkeit der Spende wird von den Teilnehmern auch rege genutzt. Die stolze Summe von rund 5,5 Millionen Pfund, die durch die diversen Trips und Abenteuer, die durch die „Adventurists“ bereits veranstaltet wurden, kamen bereits der Wohltätigkeit zugute. Eine Liste der Spenden lässt sich auf der Homepage der „Adventurists“ nachlesen. Hier finden sich auch weitere Veranstaltungsreihen des Unternehmens.