Der Beginn der #MeToo-Bewegung in Indien

#MeToo ist ein Hashtag, der in den sozialen Netzwerken Frauen dazu ermutigte, auf sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe aufmerksam zu machen. Mitte Oktober begann die Bewegung mit dem Weinstein-SkandalHarvey Weinstein soll sich über viele Jahre hinweg gegenüber verschiedenen Frauen der sexuellen Belästigung, der sexuellen Nötigung oder der Vergewaltigung schuldig gemacht haben. Seither wurden durch diese #MeToo-Bewegung in Hollywood viele mächtige Männer mit ähnlichen Vorwürfen angeklagt.

In Indien wurden Täter sexueller Gewalt jahrzehntelang eher geschützt statt bestraft. Die Schauspielerin und ehemalige Miss Indien Tanushree Dutta hatte vor zehn Jahren Bollywoodstar Nana Patekar öffentlich beschuldigt, sie an einem Filmset sexuell belästigt zu haben. Anstelle von Hilfe bekam sie Morddrohungen. Jetzt, ein Jahr nach der großen #MeToo-Bewegung, wiederholte Dutta ihre Anschuldigung und findet Gehör. Lange sah es so aus, als würde die Bewegung in Indien ausfallen. Seither haben allerdings viele indische Frauen, gerade in der Künstler- und Filmszene, ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt unter demselben Hashtag öffentlich gemacht und die Täter beim Namen genannt.

Die #MeToo-Bewegung hat endlich Indien erreicht. Teile des Frauenflügels der All India National Congress Party demonstrierten sogar vor einer Polizeistation in Mumbai und forderten Nana Patekars Verhaftung für das, was er vor zehn Jahren Tanushree Dutta angetan hat.

Die Filmindustrie in Indien liegt in Männerhand: die meisten Produzenten und Filmemacher sind männlich, das Filmgeschäft wird von wenigen mächtigen Familien dominiert. Diese wollen natürlich nicht, das derartige Skandale an die Öffentlichkeit geraten.

Unter den Beschuldigten sind einige Autoren, Regisseure wie Subhash Kapoor oder Subhash Gai, Schauspieler wie Rajat Kapoor oder Alok Nath, Journalisten wie der Top-„Hindustan Times“-Journalist Prashant Jha, und Comedy-Stars wie Utsav Chakraborty. Auch ein Beamter in der Regierung von Premier Narendra Modi wird von mindestens sieben Frauen beschuldigt, sich unangemessen verhalten zu haben.

Filmemacherinnen weigern sich, jemals wieder mit geprüften Straftätern zu arbeiten

Um die #MeToo-Bewegung zu unterstützen, haben verschiedene Regisseurinnen sich dazu entschieden, nicht mehr mit überprüften Straftätern zusammen zu arbeiten: Konkona Sen Sharma, Nandita Das. Zoya Akhtar,Meghna Gulzar, Gauri Shinde, Kiran Rao, Reema Kagti, Alankrita Shrivastava, Nitya Mehra, Ruchi Narain und Shonali Bose wollen damit den Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, ihre Solidarität aussprechen.

Gepostet von Shonali Bose am Sonntag, 14. Oktober 2018