Das islamische Jahr endet nicht am selben Tag wie das christliche Jahr: das islamische Neujahr beginnt dieses Jahr am Abend vom 10. September und endet am Abend vom 11. September. Es ist mehr ein Gedenktag, als ein Feiertag.

An diesem Tag wanderte der Prophet Mohammed, der Religionsstifter des Islam, im Jahre 622 n. Chr. mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina aus, um dort das erste islamische Staatswesen aufzubauen. Die Auswanderung wird auch Hidschra genannt. Demnach ist der erste Tag des ersten Jahres und somit der Beginn der islamischen Zeitrechnung der 16. Juli 622.

Der islamische Kalender ist elf Tage kürzer als der christliche Kalender, weil er nach Mondjahren gerechnet wird: er hat also 354 Tage, beziehungsweise in Schaltjahren 355. Alle religiösen Verpflichtungen werden nach Mondjahren berechnet, seien es Gebete, das Fasten im Ramadan oder die Pilgerfahrt. Er hat auch zwölf Monate, allerdings richtet sich der Anfang eines Monats nach der Sichtung des Neumonds. Der erste Monat im islamischen Kalenderjahr heißt Muharram.

Der Tag beginnt bei den Muslimen nicht um Mitternacht, sondern mit dem Sonnenuntergang, weshalb Neujahr zwei Tage lang gefeiert wird. Neujahrsbeginn wird nicht wie bei uns mit Sekt und Feuerwerk gefeiert, sondern mit traditionellen Blasinstrumenten und einem großen Festessen, welches für den Frühling und die Hoffnung auf ein gutes neues Jahr steht.

Das Festmahl besteht aus aus sieben Symbolen: Mehlbeeren, Süßgebäck, eine Münze, grüne Weizentriebe, ein Apfel, Essig und Knoblauch – sie sollen Glück, Gesundheit, Wohlergehen und Fruchtbarkeit bedeuten.

Für Schliten und Aleviten beginnt mit dem Muharram eine Zeit des Gedenkens und der Trauer, in der des Todes des Imam al-Husain gedacht wird – genauer gesagt beginnt für sie eine zehntägige Trauerperiode, welche mit dem Jahrestag der Schlacht von Kerbala beginnt und mit Gedenktag Aschura endet. Im Irak begeben sich in dieser Jahreszeit viele Schiiten auf eine Wallfahrt zum Imam-Hussain-Schrein in Kerbala, wo al-Husain begraben liegt. Dieses Jahr beginnt Aschura also am Abend vom 20. September und endet am Abend vom 21. September. Viele Muslime fasten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang an Aschura, in einigen Moscheen werden sogar an und um diesen Tag kostenlose Mahlzeiten angeboten.

Dennoch wurde in Indien unser Silvesterfest am 31. Dezember adaptiert – genauso wie die Feiertage aller möglichen Religionen und Reste aus anderen Kulturkreisen, wie Weihnachten oder Ostern. Richtige Silvesterfeiern wie wir sie kennen findet man aber meist nur in westlich beeinflussten Städten wie Mumbai oder Bangalore – und dort viel trotzdem ruhiger als bei uns. In kleineren Städten wird eher still, wenn überhaupt, dann in der Familie und privat mit Freunden gefeiert.

Feste mit professionellen Tänzern und Sängern oder beliebten Bollywood-Schauspielern sind widerum sehr beliebt, auch oft in Verbindung mit gutem Essen, Musik, Tanz und Feuerwerk. Alkohol spielt dabei allerdings keine Rolle, abgesehen vom Partystaat Goa vielleicht.

Der 1. Januar ist auch in Indien ein landesweiter Feiertag, an dem die Inder aber im Gegensatz zu den Deutschen weiterfeiern:  man überreicht sich gegenseitig Geschenke, Blumen und Grußkarten, betet und hält Neujahrsfeste ab.

 

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