Interview mit Asif Khan (Düsseldorf BlackCaps CC) über seine Rolle und Ziele als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Das Interview wurde von Wes Wessington durchgeführt. Wes ist ein Cricket Fan aus Deutschland, die sich sehr für die Erfolge unserer Mannschaft interressiert. Vielen Dank Wes!
[separator style=“regular“] Asif, in the letzten beiden Jahren hat das deutsche Cricket Team eine atemberaubende Serie von Erfolgen gefeiert, die damit begann, dass Deutschland sich in der European Division 2 Championship bei der Qualifikation für die World Cricket League gegen den Erzrivalen Frankreich durchsetzen konnte, danach direkt ins Finale der World Cricket League Division 8 stürmte und erfolgreich an der World Cricket League Division 7 in Botswana teilnahm. Viele starke Gegner sind im Zuge dessen besiegt worden, in klaren Entscheidungen oder in spannenden Thrillern, die den Nerven der Fans alles abverlangten. Insgesamt hat Deutschland während dieser Zeit eine Menge gutes und sehr unterhaltsames Cricket gespielt.

Das stimmt; dank der Spieler und des Trainings- und Betreuungspersonals sind die letzten beiden Jahre für das deutsche Cricket die erfolgreichsten seit langem gewesen. Der Sieg gegen Frankreich war ausschlaggebend für uns, da er den Spielern zeigte, was sie erreichen können, wenn sie an sich und ihre Fähigkeiten glauben, und welche Möglichkeiten uns offen stehen, wenn wir als Team zusammenarbeiten. Zu Beginn eines Spiels erwarten wir immer eine knappe Entscheidung, da es zumindest auf dem Papier zwischen den Teams kaum Unterschiede hinsichtlich des Potenzials gibt. Diese Art der Herausforderung mögen wir sehr; denn sie bewirkt, dass wir maximale Leistung zeigen, was sich in unserer Performance widerspiegelt.

Die Schlüssel zu unserem Erfolg liegt in der derzeitigen Teamzusammensetzung, einer erstklassigen Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Keith [Thompson], Brian Fell, Ben [Das] und der Deutsche Cricket Bund erledigen die Arbeit im Hintergrund, sie organisieren die Freundschaftsspiele, Hallentraining, und kümmern sich insgesamt sehr gut um uns. Keith zeigt in seiner Rolle als Trainer große Initiative. Er bezieht die Spieler mit ein, motiviert sie, er kennt ihre Stärken und geht am Spielfeldrand immer voll mit.
[separator style=“regular“]

Kannst du deine persönlichen Highlights als Spieler und in Bezug auf das Team umreißen, welche Spiele waren aus deiner Sicht die wichtigsten, die schwierigsten und die schönsten?

Ich spiele jetzt seit 2004 in der Nationalmannschaft, aber die letzten beiden Jahre sind für mich die aufregendsten gewesen. Es gibt nichts schöneres als mitzuerleben, wie sich das Team von Spiel zu Spiel kontinuierlich steigert und weiterentwickelt. Die Teamführung stellt zwar eine zusätzliche Herausforderung für mich dar, aber die Unterstützung und Einbringung durch die Spieler erleichtert mir die Arbeit sehr. Gerne akzeptiere ich einen wertvollen Hinweis in einer kritischen Situation, oder die Korrektur einer Feldposition durch den Wicketkeeper.

In meiner Laufbahn als deutscher Spieler gab es bisher etliche Highlights:

  • Das erste Mal, als ich über 50 Runs erreicht habe. Das war gegen das Team aus Israel in meinem zweiten Spiel.
  • Als Farooq [Ahmed] und ich in der European Division 2 Championship gegen Frankreich zusammen gebattet haben. Das brachte uns ins Spiel zurück und wir konnten es schlussendlich gewinnen.
  • Meine Batting-Partnerschaft mit Milan [Fernando] gegen Gibraltar in Kuwait während der World Cricket League Div. 8, als Milan und ich 262 Runs machen konnten, von denen Milan 151 und ich 109 erzielte, wird mir immer als eines der schönsten Innings im Gedächtnis bleiben.
  • Mein Century gegen Botswana 2010 im kleinen Finale der World Cricket League Div. 7 war entscheidend dafür, dass wir die knappe Niederlage, die wir gegen sie zu Beginn des Turniers erlitten hatten, wieder wettmachen konnten.

Außerdem brachten uns die hart erkämpften Siege gegen Frankreich (Euro Div. 2) und Sambia (WCL Division 8.) in hervorragende Ausgangspositionen für die beiden Turniere. Das waren Pflichtsiege, wohingegen die Niederlagen gegen Botswana und Nigeria in der WCL Division 7 bitter waren. Ein einziger weiterer Sieg hätte uns den Aufstieg zur WCL Division 6 in Singapur gesichert.

Jeder einzelne Sieg ist etwas besonderes, für jeden Spieler, Fan und Unterstützer. Die Anerkennung und die Masse der Grüße, die das Teammanagement von unseren Fans aus Deutschland und der ganzen Welt erreicht, machen uns stolz darauf, dieses Land zu repräsentieren. Unsere Freunde und Familien, die oftmals verteilt über den gesamten Globus leben, verfolgen unsere Ergebnisse und drücken uns die Daumen, wann immer wir an einem Wettkampf teilnehmen. Dies bedeutet mir persönlich sehr viel.

[separator style=“regular“]

Für das Jahr 2012 sieht der ICC Zeitplan keine Spiele für Deutschland vor, aber im Hinblick auf die nächste World Cricket League Div. 7, die 2013 stattfindet, nimmt Deutschland an einigen bilateralen und trilateralen Wettkämpfen teil. Kannst du uns dazu ein paar Details verraten, und welche Erfolgschancen siehst du für Deutschland in diesen Spielen?

Das Jahr 2012 ist enorm wichtig für Cricket Deutschland, wir wollen verstärkt auf den Nachwuchs setzen und junge Spieler sondieren. Freundschaftsspiele bieten Nachwuchstalenten eine ideale Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen, und erfahrene Spieler können die Chance nutzen, um ihre Positionen zu festigen.

Das Primärziel ist in meinen Augen natürlich, diese Wettkämpfe klar zu gewinnen, überzeugende Leistungen abzuliefern und den Newcomern eine Möglichkeit zu bieten, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ich selber werde mich durch diese Spiele mit neuen Spielern vertraut machen können, und als Team werden wir weiter daran arbeiten, unsere Performance in echten Matchsituationen zu verbessern. Meiner Meinung nach gibt es genügend Talente unter unseren jüngeren Spielern (U19, U23 und Senioren-Team). Sie müssen gezielt gefördert und im Rahmen der Nationalmannschaft eingesetzt werden, damit sie so viele Spiele wie möglich absolvieren können. Echte Matchsituationen und Übungssessions, in denen wir an unseren Schwächen arbeiten, finden bisher noch nicht häufig genug statt.

In einem zehntägigen internationalen Turnier benötigen wir einen Kader, der mental und physisch absolut fit und einsatzbereit ist und sich gut auf die Spiele vorbereitet hat. Mir ist klar, dass das nicht einfach ist, aber letzten Endes hängt die Höhe der finanziellen Unterstützung, die das ICC dem DCB gewährt, direkt von der Leistung der deutschen Nationalmannschaft ab, weswegen jedes Spiel, an dem die Mannschaft beteiligt ist, beim DCB absolute Priorität genießen sollte.

[separator style=“regular“]

Wie wichtig war die europäische 50-Over-Liga als Vorbereitung auf die World Cricket League, und glaubst du, dass der Wegfall dieses Turniers ausreichend kompensiert werden kann?

Es ist wirklich sehr bedauerlich, dass das 50-Over-Format nun durch das T20 ersetzt wurde. Es handelt sich um zwei grundverschiedene Formate, die nicht gegeneinander austauschbar sind.

Das 50-Over-Turnier war für uns die ideale Möglichkeit, uns umfänglich auf die World Cricket League vorzubereiten, was die Matchsituation, die äußeren Bedingungen und das notwendige Fitnesslevel betrifft. Im T20 verändern sich der Pitch und die Wetterbedingungen nicht gravierend, und die Chancen, ein Innings zu stabilisieren oder auf der Jagd nach Wickets Druck auf den Gegner auszuüben, sind gering. Es geht eher darum, Runs zu verhindern, und wenn man man mehr als sieben Wickets nimmt, kann man sich schon glücklich schätzen.

Man darf aber nicht vergessen, dass das T20 Format immer wichtiger wird, und wir müssen anfangen, es ernst zu nehmen, denn der Weg zur T20 Weltmeisterschaft ist erfreulich kurz.

[separator style=“regular“]

Im Europäischen T20 Cup 2011 wie auch in Botswana sind einige neue Spieler für Deutschland in Erscheinung getreten. Wer sind deiner Meinung nach die aussichtsreichsten Nachwuchsspieler, die man im Auge behalten sollte? Welchen Grad an Fluktuation erwartest du im Kader bis 2013?

Keith hat die ganze Zeit über intensiv nach neuen Talenten Ausschau gehalten, wofür er zu fast allen regionalen und DCB-Finals gefahren ist, um mögliche Kandidaten für die Nationalmannschaft ausfindig zu machen. Sein Ziel ist es, die richtige Mischung aus jungen, enthusiastischen Spielern einerseits und erfahrenen Kräften auf der anderen Seite für die internationalen Wettkämpfe zusammenzustellen. Über die Jahre habe ich in verschiedenen Teamkonstellationen gespielt, und für mich sind die 14-16 Spieler seit Jersey 2010 die ideale Besetzung. Es ist äußerst wichtig, dass man neue Spieler fördert und in das Team integriert, damit sie sich an der Seite der erfahrenen Spieler entwickeln können und die Mannschaft auf dieselbe Art wie ihre Vorgänger weiterführen.

Ich denke, dass wir über ungefähr zehn herausragende Spieler zwischen 22 und 28 Jahren verfügen, die für die nächsten zehn Jahre die Geschicke der deutschen Mannschaft in die Hände nehmen können. Sie sind energisch und verfügen über ein gutes Verständnis des Spiels. Sie müssen jetzt dementsprechend trainiert werden und sich mit ihren Rollen im Team und den Erwartungen, die in sie gesetzt werden, identifizieren. Es wäre ungerecht, hier nicht alle von ihnen zu nennen, aber Kashif Mahmood, Dilshan Rajudeen, Ashwin Prakash, Tarun Rawat und Shafraz Samsudeen stehen kurz davor, feste Positionen in den Nationalteams einzunehmen. Ritwik Marwaha und sein Bruder Tushar sind ebenfalls äußerst talentierte Nachwuchsspieler, die bereits sehr gut im U19 Team performt haben.

Ich bin mir sicher, dass es noch wesentlich mehr begabte Cricketer in ganz Deutschland gibt, und der DCB hat für 2012 einen Plan erarbeitet, mittels dessen diese Talente aufgespürt werden sollen. Bis auf zwei oder drei neue Gesichter erwarte ich für 2013 keine gravierenden Änderung im Nationalkader. Von 2014 an werden aber voraussichtlich alle der oben genannten Spieler regelmäßig für Deutschland antreten.

[separator style=“regular“]

Was glaubst du, wie sich Deutschland von 2013 an weiterentwickeln wird, wird Deutschland irgendwann an eine unsichtbare Mauer stoßen; bis zu welchem Level kann das derzeitige Team unter idealen Vorraussetzungen aufsteigen? Welche Ziele hast du dir persönlich für deine Laufbahn als Kapitän der deutschen Mannschaft gesetzt?

Nun, nichts ist unmöglich, wenn du den Willen hast, dein Ziel um jeden Preis erreichen. Das gilt für mich wie für jedes andere Mitglied in der Mannschaft. Bis zur letzten Minute des Spiels versuchen wir gemeinsam, einen Sieg zu erkämpfen, wann immer wir zu einem Spiel antreten. Das ICC hat bereits eine solche unsichtbare Mauer für die Associate Teams geschaffen, indem es den Weg zur 50-Over Weltmeisterschaft blockiert hat. Dass Irland bei Weltmeisterschaften England geschlagen hat und Pakistan überwinden konnte, zeigt das Potenzial der Associates auf, und wenn die Spieler genügend Praxis auf diesem hohen Level bekommen, werden sie automatisch gute Leistungen bringen. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, warum das deutsche Team im internationalen Vergleich nicht mithalten könnte, wenn uns genügend Möglichkeiten offen stehen, an unseren Fähigkeiten zu arbeiten, sowie häufiger zusammen zu spielen, zu trainieren und Freundschaftsspiele zu bestreiten.

Man sollte immer einen Schritt nach dem anderen machen; für mich hat ganz klar der Aufstieg in die World Cricket League Div. 6 die oberste Priorität. Das ist machbar, wenn jedes Mitglied des Teams optimal in Form ist und der Herausforderung kämpferisch entgegentritt. Wir alle erinnern uns, wie nah wir dem Aufstieg in Botswana gekommen waren; das ist eine Aufgabe, die wir noch erledigen müssen.

Der Sieg in einer World Cricket League und europäischen T20 Meisterschaft wäre die Verwirklichung eines Traumes für jeden von uns. Davon abgesehen ist es für mich an sich schon eine Ehre, für Deutschland zu spielen und die Mannschaft als Kapitän zu führen. Ich möchte allen danken, die mich für würdig befunden haben, für das deutsche Nationalteam zu spielen, und besonderer Dank gilt meiner Familie und meinen Freunden für ihre Unterstützung.
[separator style=“regular“]