Auch wenn Menschen stets das Konzept von „Nichts“ oder „Nichts haben“ verstanden, ist das Konzept der Null noch gar nicht so alt. Dieses hat sich erst um das 5. Jahrhundert nach Christus in Indien entwickelt.

Zuvor bereiteten die einfachsten mathematischen Berechnungen Probleme, heute bedeutet die Null – als Nummer und Zahl sowie als Bedeutungskonzept die Abwesenheit von jeglicher Menge und erlaubt uns das mathematische Teilgebiet der Analysis auszuüben, Physik- und Ingenieurtätigeiten nachzugehen, komplizierte Gleichungen zu lösen und darüber hinaus Computer zu erfinden und andere moderne Technologien zu entwickeln.

Der Chaturbhuj Temple in Gwalior, eine Stadt im Zentrum Indiens, gleicht vielen anderen alten Tempeln Indiens, abgesehen von der Tatsache, dass er der Nullpunkt der Null darstellt. Er ist berühmt dafür, das älteste Exempel der Null als geschriebene Ziffer, als Zahl, zu sein. Die Ziffer ist in die Tempelwand eingemeißelt, die Inschrift stammt aus dem 9. Jahrhundert und zeigt klar und deutlich die Zahl 270.

Die Erfindung der Null war eine bedeutende mathematische Entwicklung, eine die die indische Kultur mit sich brachte.
Dr. Peter Gobets, Minister der ZerOrigIndia Foundation, des Zero Projects, welches die Ursprünge der Ziffer Null untersucht, merkte in einem Artikel über die Erfindung der Null an, dass die mathematische Ziffer Null („shunva“ in Sanskrit) wahrscheinlich aus der Philosophie der Leere, „Shunvata“, die buddhistische Lehre, seinen Kopf von Gedanken und eindrücken zu leeren, stammt.
Darüber hinaus empfindet die indische Nation schon lange große Faszination für anspruchsvolle Mathematik. Die frühen indischen Mathematiker waren besessen von großen Zahlen, die in die großen Billionen reichten, während die Antiken Griechen bei Zahlen um die 10.000 aufhörten. Es bestand sogar ein unterschiedliches Verständnis von Unendlichkeit.
Der Hindu-Astronom und Mathematiker Aryabhata, geboren im Jahr 476, und Brahmagupta, geboren im Jahr 598, sind berühmt dafür, das erste moderne Dezimalsystem beschrieben und die aktuellen Regeln für den Nutzen der Null entworfen zu haben.

Obwohl Gwalior lange Zeit als erste Stätte galt, bei der die Null als geschriebener Kreis aufkommt, zeigt bereits eine alte indische Schriftrolle aus dem 3. Oder 4. Jahrhundert, das Bhakshali Manuskript, ein Platzhaltersymbol in Form eines kreisförmigen Punktes. Somit wird dieses Manuskript als frühste Aufzeichnung der Null berücksichtigt, der Tempel ist dennoch die früheste Stätte, bei der die Null als Zahl vorkommt.

Marcus du Sautoy, Professor der Mathematik an der Universität Oxford äußerte sich dazu: „Die Schöpfung der Null als Zahl für sich, die sich aus dem Platzhalter-Punktsymbol im Bakhshali Manuskript heraus entwickelt hat, stellt einer der größten Durchbrüche in der Geschichte der Mathematik dar. Heutzutage wissen wir, dass die Mathematiker im 3. Jahrhundert in Indien den Samen für die Idee gepflanzt haben, die später so fundamental für die moderne Welt wurde. Die Befunde zeigen wie lebhaft die Mathematik in dem indischen Subkontinent schon seit Jahrhunderten ist.“

Gleichermaßen interessant sind aber auch die Gründe, warum die Null nicht sonst wo auf der Welt entwickelt wurde. Obwohl die Mayas und die Babylonier, aber auch viele andere Zivilisationen, ein Konzept der Null als Platzhalter hatten, ist nicht bekannt, dass sie ebenfalls die Idee der Null als Zahl, die Idee, die Null in der mathematisch rechnerisch zu verwenden, hatten. Eine weitere Theorie ist außerdem, dass manche Kulturen eine negative Sicht gegenüber dem Konzept des Nichts vertraten. Beispielsweise untersagten religiöse Führer in Europa zu Zeiten des frühen Christentums das Verwenden der Null, da sie der Meinung waren, wenn Gott in allem ist, kann das Symbol, das das Nichts repräsentiert, nichts anderes als satanistisch sein.

Daher ist das Konzept des Nichts und somit die Null mit der spirituellen Weisheit von Indien eng verbunden.