Indien steht auf der Liste der Klimasünder ganz weit oben: nach China, den USA und der EU ist es der viertgrößte Treibhausgas-Produzent weltweit. Dies will die Regierung nun schnell verbessern: die Ziele der Weltklimakonferenz 2015 in Paris sollen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen werden. Damals war als Ziel für die gesamte Weltgemeinschaft festgelegt worden, dass die weltweite Durchschnittstemperatur sich im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten nur um 1,5 bis 2 Grad erhöht.

Um seinen Teil dazu beizutragen, hat Indien im vergangenen Jahr zunehmend in erneuerbare Energien investiert. So wurde im September 2016 der Solarpark Kamuthi im Bundesstaat Tamil Nadu fertiggestellt, der nun rund 150.000 Haushalte mit Strom versorgt. Die Anlage nimmt eine Fläche von 10km² ein. Durch solche Riesen-Projekte ist die indische Regierung nun optimistisch, keine zusätzlichen Investitionen in Kohle mehr tätigen zu müssen. Kohlekraftwerke, die sich momentan in der Planung oder im Bau befinden, werden jedoch trotzdem in Betrieb genommen.

Es gibt einige Gründe, die frohe Botschaft aus Neu Delhi mit Vorsicht zu genießen. So ist Indien sowohl wirtschaftlich als auch in Sachen Bevölkerung eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, was sich auch in einem weiterhin steigenden Energiebedarf niederschlägt. Außerdem haben aktuell immer noch 300 Millionen Menschen keinen Zugang zum Stromnetz, auch ihr Energiebedarf muss also in Zukunft eingerechnet werden. Weitere Probleme tun sich bei der Verteilung des Stroms auf die Endverbraucher auf, da die Energie-Infrastruktur teilweise hinter der schnellen Fertigstellung der großen Solarparks hinterherhinkt.

Dennoch: sein ehrgeiziges Programm, das die weltweit größte Kapazität an erneuerbaren Energien vorsieht, brachte Indien Platz 20 auf dem Klimaschutz-Index von November 2016 ein. Es liegt damit neun Ränge vor Deutschland.