Wie überall auf der Welt, konsumieren auch in Indien zahlreiche Menschen regelmäßig Alkohol und viele leiden zudem an Alkoholismus. Obwohl alkoholische Getränken in Indien allgemein verpönt sind, da ihr Konsum mit den Grundsätzen des Hinduismus und Islamismus nicht vereinbar ist, sind die indischen Trinkgewohnheiten besorgniserregend und ein Drittel der Trinker gilt sogar als stark gefährdet.

Um das Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, ist die Herstellung, der Verkauf und der Konsum von Alkoholika im indischen Bundesstaat Bihar seit April 2016 verboten. Um dieses umstrittene Gesetz zu untermauern, rief der Ministerpräsident von Bihar die Bürger kürzlich dazu auf, eine Menschenkette zu formieren, um ihr Wohlwollen gegenüber der straffen Prohibitions-Politik zum Ausdruck zu bringen. Und der Aufruf trug Früchte, denn innerhalb weniger Stunden versammelten sich ca. 32,5 Millionen Menschen und bildeten mit einer Reichweite von etwa 3.316 km die wohl längste Menschenkette der Welt – dies ließ zumindest die Regierung von Bihar verlauten.

Das im Nordosten Indiens gelegene Bihar folgt damit einem aktuellen Trend, denn auch andere Bundesstaaten wie Gujarat, Manipur oder Nagaland setzen bereits auf ein Verbot von alkoholhaltigen Getränken. Tatsächlich avanciert die Prohibitons-Thematik in den letzten Jahren immer mehr zum beliebten Wahlkampfthema, denn ein Alkohol-Verbot, so die gängige These, sei die einzige Möglichkeit, um Kriminalität, Unfälle, Krankheiten und häusliche Gewalt in den Griff zu bekommen.

Gegenstimmen warnen aus unterschiedlichsten Gründen hingegen vor vorschnellen Entscheidungen. Zum einen sei ein völliges Verbot nicht im Sinne einer liberalen Demokratie und zum anderen führe die Prohibition dazu, dass Alkohol von Laien illegal gepanscht, geschmuggelt und verkauft würde. Diese Befürchtung hat sich bereits bestätigt, denn unterschiedlichen Quellen zufolge sind bereits hunderte Menschen durch den Konsum von gepanschtem Alkohol gestorben.

Bihar will dieses Problem nun durch hohe Geld- und Gefängnisstrafen eindämmen. Wer das Alkohol-Verbot missachtet, dem sollen zukünftig bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu 13.800 Euro drohen – eine zweifellos saftige Strafe. Viele Menschen sind skeptisch und kritisieren die Prohibitions-Politik, denn Alkoholismus könnte man auch mit weit weniger drastischen Mitteln bekämpfen. Eine Erhöhung der Steuern, oder eine strengere Kontrolle beim Verkauf wären denkbar. Doch Bihars Ministerpräsident Nitish Kumar hält an seinen radikalen Gesetzen fest und verkündete gegenüber dem Medienhaus NDTV: „In Bihar machen wir keine halben Sachen.“