„THE SEED is a world tour, not a tourist trap: ‚Seven Eyes‘ (…) THE SEED is
all about where you are, where you were and where you want to be.“ indieBerlin

Ist die Rede von dem wunderbar gelungenen Album THE SEED, so spricht bereits der
Blog „indiBerlin“ von einer Art Weltreise. THE SEED ist das Debütalbum der Band „Seven
Eyes“ und ist im Februar 2017 erschienen. „Seven Eyes“ wurde bereits 2015 von den beiden
Ausnahmekünstlern Tanya Wells und Paolo Vinícius gegründet. Die globale Aufmerksamkeit
gewann „Seven Eyes“ jedoch erst durch das Internet: Tanya Wells hatte lediglich in Vorfreude
auf die Sommerzeit, den berühmten Urdu-Song Gulon Mein Rang Bhare auf ihrer facebook Seite
hochgeladen und damit in nur einer Woche mehr als eine Millionen Menschen erreicht. Der
Clip ging um die ganze Welt und begeisterte ganz besonders jene Menschen mit
südasiatischem Hintergrund, wie z. B: Afghanen, Pakistaner und Inder. Tanya Wells
begeistert ihre Fans nicht nur durch ihre geradezu perfekte Urdu-Aussprache, sondern auch
durch ihr akkurates Verständnis klassisch indischer Notationen und Gesangstechniken. Doch
wie kommt es, dass eine gebürtige Engländerin die klassisch indische Gesangskunst derart
beherrscht? Ihre zahlreichen biografischen Lebensstationen, wie z. B. Indien, könnten
vielleicht eine Erklärung geben; doch ohne ihr musikalisches Talent wäre auch diese
Erklärung völlig obsolet. Tanya Wells stammt aus einer bilingualen Musikerfamilie, die an
vielen Orten dieser Erde lebte; und dies sei auch der Grund warum sie so offen für andere
Kulturen, Religionen und Sprachen sei. Allerdings habe sie Indien, so Tanya Wells selbst,
hinsichtlich ihrer musikalischen wie auch persönlichen Entwicklung ganz besonders
beeinflusst. Doch ihr musikalisches Repertoire geht weit über den indischen Kontext hinaus:
Folk, Jazz, Pop, Latin, Hip Hop und Gospel; all diese Einflüsse werden in ihren Songs derart
vermengt, dass eine, wie „Seven Eyes“ es selbst bezeichnet, völlig neue Musikrichtung
entsteht: merging music! Kritiker könnten allerdings gerade durch diese undifferenzierbare
Vermengung verschiedenster musikalischer Einflüsse keinen Zugang zu dieser neuartigen
Musik finden.

Nichtsdestotrotz geht merging music völlig neue Wege; sie geht keinen bloßen
interkulturellen Dialog ein, sondern lässt in all ihren Songs die unterschiedlichen Einflüsse –
hier: musikalischer, kulturelle, sprachlicher und auch religiöser Natur – derart miteinander
verschmelzen, dass sie nicht mehr von einander getrennt werden können. Und so schmilzt
auch Tanya Wells, zumindest musikalisch gesehen, voll und ganz mit ihrem hochqualifizierten
Band-Mitglied Paulo Vinícius: Der Brasilianer hatte bereits mit sechs Jahren die Gitarre zu
spielen begonnen. Sowohl in Europa als auch in Brasilien hatte der Vollblutmusiker gleich
mehrere Auszeichnungen erhalten. Er ist klassisch ausgebildet und nimmt mit seinem
Instrument geradezu jede Herausforderung an. THE SEED ist deshalb so ungemein
beeindruckend, da es die Bandbreite des Repertoires von Tanya Wells und Paulo Vinícius
eindrücklich zu zeigen vermag.

THE SEED besteht aus dreizehn unglaublich abwechslungsreichen Songs: Von Anbeginn
wird der Zuhörer von den Klängen diverser Instrumente, Sprachen und Gesangstechniken in
ferne Gegenden dieser Erde getragen. Und so beginnt die musikalische Weltreise in Indien –
an jenem Ort, wo Tanya Wells neben so vielen Dingen die Grundlage der klassisch indischen
Musik erlernen durfte. Die genuin indischen Alltagsgeräusche, die man gleich zu Beginn des
ersten Songs hört, lassen den Zuhörer sofort von Indien träumen (1. Dreaming of India).
Die Geräuschkulisse geht dann direkt in rein instrumentale Klänge über, bis anschließend – d.
h. erst ganz zum Schluss – ein sanfter Gesang auf Sanskrit erklingt. Auf der z. T. auch sehr
melancholischen Weltreise von THE SEED, ist so manche/r Zuhörer/in, im metaphorischen
Sinne, kurz davor nach dem Blauen in der Flamme (2. Blue in the Flame) zu greifen, um
den im Herzen plötzlich auflodernden Schmerzen zu kompensieren. Von den völlig neuen
Klangfarben dieses Albums getragen, wird dann auch selbst eine lange Reise schnell mal zu
einem musikalischen Erlebnis – wird eine Straße zu einem eigenen Song (3. The Road Is
My Song). Und so führt die Reise aus den Tiefen des eigenen Inneren hinaus in die weite
Welt, wo man schließlich in den blauen Himmel Brasiliens (4. Ao Ćeu do Brasil) blicken
darf. Doch plötzlichen zieht ein Gewitter auf und der Himmel verdunkelt sich. Mit einer
kühlen Brise kommt eine wohltuende Stille auf; und zwischen Himmel und Erde (5. Sky and
the Land) kann man plötzlich das Pulsieren des eigenen Herzens hören – begleitet von
lieblichen Rhythmen und Klängen des Jazz’s; und vollendet in einem zarten Gesang auf
brasilianisch. Wie auch jeder einzelne Regentropfen letztendlich seinen Weg zum Fluß (6.
River) und am Ende auch zum Meer findet, so führt die musikalische Reise von THE SEED
ebenfalls an ein Flussufer. Der Zuhörer lässt sich von der Kühle des Wasser erfrischen und
von der ekstatischen Melodie mitreißen. Zugleich entledigt sich der Zuhörer von all seinen
Sorgen. Das Wasser reinigt nicht nur den Leib, sondern auch die Seele. Von all den Sorgen
befreit und gereinigt geht die Weltreise von THE SEED weiter und lässt den Zuhörer nicht nur
auf besseres Wetter, sondern auch, begleitet von einem instrumentalen Battle zwischen einer
indischen Tabla und einer Gitarre, auf Hoffnung, Freude und Frieden warten (7. Waiting).
Der Zuhörer geht dann schließlich mit jenen Menschen auf Reisen, die es allmählich leid
geworden sind, bloß auf den Frieden zu warten; sie haben schon zu lange gewartet und auch
zu viel verloren. Um dem Krieg zu entkommen würden diese Menschen fast alles tun, selbst
auf einen fernen Planeten, wie den Jupiter (8. Jupiter), fliegen. Wenn es manchmal kaum
noch Grund zur Hoffnung gibt, beginnt irgendwo, ganz unverhofft, doch noch ein längst
verloren geglaubter Samen (9. The Seed) zu einem mächtigen Baum heranzuwachsen. Und
so kann letztendlich auch wieder Hoffnung und Liebe (10. Rise in Love) in den Herzen der
Menschen erklingen. Sogar die bunten Vögel des brasilianischen Regenwaldes beginnen
lauthals zu zwitschern – so laut, dass die ebenso bunten Blätter an jeder Ecke (11. Canto das
Folhas) dieser Erde zu fallen beginnen; und mit jedem einzelnen Blatt, welches im Wind
tanzt, wird eine neue Geschichte des Lebens geschrieben. Es erklingt dann plötzlich wieder
klassisch indische Musik, die sofort zum Tagträumen animiert. Die lieblichen Melodien der
Instrumente und des Gesangs lassen es bereits ahnen, dass die Reise von THE SEED erneut
nach Indien führt – gerade noch rechtzeitig, um den dortigen Sonnenuntergang zu
bewundern. In diesem Augenblick werden Tag und Nacht, sowie die Himmelsrichtungen zu
einem einzigen Gefühlsmoment; zu einem ewigen Tanz der Dämmerung (12. Twilight). Die
Reise neigt sich schließlich dem Ende zu, allerdings in absoluter Dankbarkeit (13. Thank
you). Jede Reise bereichert und verändert uns Menschen; und so auch die euphonische
Weltreise von THE SEED.

Nicole Karimi

 

Das Album ist auf den Streamingplattformen Apple Music, Spotify, Google Play und Deezer sowie zur Vorbestellung auf https://seveneyesofficial.com/ erhältlich.