Wie kann es sein, dass die aus Indien importierten Stoffe im 17. und 18. Jahrhundert in Europa verboten wurden? Die Baumwolle gehörte bis weit in das letzte Jahrhundert zu den wichtigsten Handelsgütern der Welt. Eine zentrale Rolle bei diesem Handel spielte unter anderem Indien. Wie kam es dann zur Prohibition?

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gelangten die farbenfrohen Muster des Baumwollstoffs aus Indien über portugiesische, niederländische und englische Handelsrouten nach Europa. Erfolgreich war der Stoff vor allem durch seine leuchtenden Farben, exotischen Motive und Mustern sowie durch die damals kaum bekannten Eigenschaften von Baumwollfasern. Ein große Vorteil gegenüber Seide: Trotz ihrer Farbenpracht ist der Stoff sehr viel pflegeleichter.

Über die Häfen von Marseille gelangten Schiffsladungen des Stoffes nach Frankreich, und Ateliers nähten ihn zu Kleidern, Herrengewändern, Unterwäsche, Jacken, Mützen, Kissenbezügen und Vorhängen. Den europäischen Textilherstellern was es ein Rätsel, warum Indiens Farbstoffe so lebendig und gleichzeitig so robust waren, dass die Farbe beim Waschen nicht verblasste oder ergraute.

Durch den Massenimport des exotischen Stoffs aus Indien hatten viele französische Weber Probleme, ihre Stoffe zu verkaufen und konnten sich am Markt nicht länger halten. Das sorgte bei den Unternehmern der herkömmlichen Textilzweige wie der Seiden-, Woll- und Leinenproduktion für Unmut. Die Unternehmer appellierten an die französische Regierung, den Import von Indienne-Stoffen zu stoppen. Schließlich ließ Ludwig XIV 1686 die Produktion und den Import von Baumwollstoffen verbieten. In Frankreich kam es zwischen 1686 und 1759 zu einer Prohibition.

Die Wechselausstellung «Indiennes – Stoff für tausend Geschichten» ist ab Freitag, 30. August bis zum 19. Januar 2020 im Zürcher Landesmuseum zu sehen. Sie präsentiert ausgewählte indische und europäische Stoffe und zeigt auch, wie Schweizer Unternehmen in das Geschäft mit indischen Stoff eingebettet sind.