„ … Kunstvolle Ornamente aus filigranen Linien erschließen sich zu einer harmonischen Einheit. Der Betrachter hat das Gefühl in einer anderen Welt zu versinken … “

So beschrieb einst ein Reisender auf seiner Indienreise die kunstvoll hennabemalten Hände und Füße der Frauen. Henna ist in Indien weitaus mehr als nur eine Modeerscheinung. Das Bemalen mit Henna hat eine uralte Tradition, die bis Heute seine Bedeutung nicht verloren hat und mit nahezu gleicher Intensität sich im Laufe der Zeit fortsetzte. Die Motive stehen für weibliche Schönheit und gelten als spirituelle Glücksbringer für Fruchtbarkeit, Sicherheit und Glück in der Ehe.

Im Westen kam diese Körperkunst durch Stars wie Madonna, Demi Moore und Prince in den späten 90er Jahre in Mode. Henna in Indien und Pakistan, auch unter dem Namen „Mehndi“ bekannt, ist eine Pflanze mit dem botanischen Namen „Lawsonia inermis“, die Paste wird aus den getrockneten und zu Pulver zermahlenen Blättern gewonnen. Die süß duftenden Blüten dieser Pflanze finden ihre Verwendung in der Kosmetikindustrie, in Cremes, Lotions und Shampoos. Bevorzugte Gebiete, in denen der Hennastrauch wächst, sind heiße Klimazonen wie Arabien, Indien, Pakistan, Iran und Sudan, aber auch in China und Indonesien. Geschichtlich reicht die Körperbemalung mit Henna etwa 5000 Jahre zurück. Bei den Ägyptern wurden Mumien mit Henna an den Fingernägeln und Haare gefunden. Den Ursprung vermutet man in der persischen Kunst. Auf Miniaturen aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind Hochzeitszeremonien, mit Frauen und Tänzer festgehalten, deren Hände mit Hennaornamenten verziert sind.  Nach Indien kam Henna im 12. Jahrhundert durch die Mogulherrscher und erlangte dann seine eigentliche kulturelle Bedeutung. Es wurden aufwendige Ornamente an den Händen und Füßen der Reichen und Angehörigen der herrschenden Familien gemalt, doch bald erfreute sich auch das einfache Volk an den Hennabemalungen. Die kühlende Kraft von Henna war ein positiver Nebeneffekt dieser Körperkunst, der in der glühenden Hitze Arabiens, Asiens und Afrikas die Haut angenehm vor Sonne schützte. Darüber hinaus wird Henna eine heilende Wirkung nachgesagt, die für die Haut antibakteriell wirkt und somit die Wundheilung bei möglichen Verletzungen oder Verbrennungen beschleunigt. Auch aus religiöser Sicht ist die Hennapflanze für die Menschheit von großer Bedeutung. Hindugötter werden sehr häufig mit Henna an Händen und Füßen geschmückt. Im Christentum wird Henna in der Bibel erwähnt und zwar im Hohelied, das Bezug auf die Blüten nimmt, aus denen man ein duftendes ätherisches Öl destillierte. („Eine Hennablüte ist mein Geliebter mir/aus den Weinbergen von En-Gedi“)
Für die Muslime ist Henna durch den Propheten eine heilige Pflanze geworden, der sich das Bart – und Haupthaar damit färbte. Es wird auch gesagt, dass der Prophet es guthieß, wenn Frauen Ihre Hände mit Henna schmückten.

Eine klassische Braut ohne Henna ist in Indien unvorstellbar. Egal ob die westlich geprägte oder die traditionelle Inderin – das Henna der Braut ist unverzichtbar. Einige Tage vor der Hochzeit gibt es hierfür eine Zeremonie „Mehndi-Raat“ die Nacht des Hennas oder auch „Hennanacht“. Die weiblichen Mitglieder der Familie und Freundinnen der Braut treffen sich, um diese zu schmücken und auf ihren großen Tag vorzubereiten. Die Hennamotive werden kunstvoll auf Hände, Unterarme und Füße aufgetragen. Während der Bemalung singen die Frauen typische „Mehndi-Lieder“, die in einer sanften Weise auf die Liebe zwischen den Eheleuten andeuten, Alltagssituationen während der Ehe und auf das neue verheiratet Leben besingen. Eine einzigartig, wunderbare Stimmung aus den Gefühlen der Braut, die Aufregung auf das Unbekannte und die Trauer über das Verlassen des Elternhauses fühlt, mischt sich mit dem unverwechselbarem Geruch des Hennas, das exotisch und geheimnisvoll die Hände und Füße schmückt. Zwar bemalen sich alle Gäste mit Henna, doch die Hauptattraktion ist die Braut. Keine Bemalung an diesem Abend ist aufwendiger, filigraner und größer als die der Braut. Die Familienälteste, in der Regel Großmutter der Braut, eröffnet diese Zeremonie, indem sie auf der Handfläche Ihrer Enkelin das Henna aufträgt. In Indien und Pakistan wird das Henna nicht direkt auf die Handfläche aufgetragen, meistens wird ein Hennablatt oder ein Geldschein auf die Hand gelegt, damit später die Bemalung stattfinden kann. In türkischem und persischem Raum werden keine aufwendigen Muster aufgetragen, sondern nur ein runder Kreis auf der Handfläche aufgetragen.

Die Art und Weise das Henna aufzutragen ist kulturell und religiös unterschiedlich. Während in Indien sehr oft Symbole wie das Pfau – Vogel der Liebe und die Verbindung zu Erde und Himmel symbolisiert, paarweise stehen sie für das zukünftige Brautpaar. Der Elefant bringt Weisheit und Glück, Fische gelten als Zeichen der Fruchtbarkeit. Blüten und Ranken werden für die wachsende Liebe gemalt. Die muslimische Welt beschäftigt sich ausschließlich mit floralen und geometrischen Ornamenten, da der Islam beim Beten figürliche Darstellungen auf dem Körper nicht erlaubt. Deshalb wird auf Henna-Ornamente, die menschliche Gesichter, Vögel oder andere Tiere beinhalten verzichtet. Die Hennabemalungen sollen eine sanfte Verbindung zwischen der Trägerin und der Natur herstellen. Das Zusammenspiel von Geburt, Nahrung, Wachstum und Erneuerung wird interpretiert. Henna wird mühselig aufgetragen, es braucht viel Geduld, Wartezeit und Pflege bis sich die volle Farbe entfaltet und den Betrachter beglückt, danach fängt der langsame Prozess des Rückgangs an. Die Farbe fängt an langsam zu verblassen, bis keine Spur mehr zu sehen ist. Der natürliche Lauf des Lebens.

Wie lange hält eine Hennabemalung?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Die Haltbarkeit hängt von vielen Faktoren, wie Hautstruktur und Hautpartie ab. Am Besten entwickelt sich die Farbe an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Und am Längsten hält Henna an der Stelle, die weniger Wasser und Seife ausgesetzt ist. Um die Farbintensität zu verstärken, wird die Paste mit Zucker und Zitronensaft befeuchtet, denn je länger die Hennapaste feucht ist, umso besser kann sich die Farbe auf die Haut übertragen. Eine Hennabemalung kann daher zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen halten.

In welchen Farben gibt es Henna noch?

Natürliches Henna ist von der Farbe her immer rot bis bräunlich. Dies wird seit über 5000 Jahren verwendet und ist ein vollkommen natürliches Produkt, daher sind allergische Reaktionen äußerst selten.

Was ist mit schwarzem Henna?

Vorsicht ist bei „schwarzem Henna“ geboten oder sogenannte „Notfall-Henna“, dass überwiegend an touristischen Orten als Henna verkauft wird. Natürliches Henna kann nämlich niemals schwarz sein, dem Henna wird unter anderem ein chemischer Farbstoff namens Paraphenylendiamin (PPD) beigemischt, um die Farbintensität zu verstärken, dies kann aber heftige Hautallergien auslösen. Hennatattos, die sofort Farbe entwickeln, ohne die Einwirkzeit, sollten streng gemieden werden. Echtes Henna entfaltet Ihre dunkle Farbe erst nach ca. 12 Stunden.

Wie trägt man Henna auf und wie pflege ich es danach?

Die einfachste Variante ist: Henna wird mit einer Spritztüte auf die Haut aufgetragen. Die Paste sollte ruhen, bis sie vollkommen trocken ist und selbst anfängt zu bröseln. Um die Farbe zu verstärken, kann Zitrone und Zucker gemischt und auf die Paste angebracht werden, damit sie nicht so schnell trocknet. Nachdem die Paste ab ist, in der Regel dauert dies 30 – 60 Minuten, sollte in den nächsten 12 Stunden Wasserkontakt gemieden werden. Die volle Farbe hat seine Entwicklung nach 48 Stunden erreicht. Wenn die getrocknete Paste entfernt ist, sollte die Haut mit etwas Öl (Senföl) eingerieben werden, dieses dringt in die Haut ein und bringt die Farbe zum leuchten.

Wie rühre ich mein Henna an?

Jede/r Hennakünstler/in hat seine eigenen Geheimrezepte, um die Hennapaste anzurühren. Das Grundrezept ist relativ einfach, es empfiehlt sich auch damit zu beginnen: Feingesiebtes Hennapulver, bisschen Zucker- und Zitronensaft, warmes Wasser, ein paar Tropfen Eukalyptusöl, Nelkenöl (die Öle können auch weggelassen werden) und ein feines Sieb. Alle Zutaten werden vermischt, so dass eine Paste mit der Konsistenz vom Zuckerguss entsteht, die Paste am Besten unter die Sonne oder einen warmen Ort, für ca. 12 Stunden ziehen lassen.

Über die Autorin und Hennakünstlerin Tayyba

Geboren in einer künstlerisch angehauchten Familie, kam Tayyba schon sehr früh im Alter von zwölf Jahren in Verbindung mit Henna. Als Kind war sie fasziniert, wie ihre Mutter mit Präzision und Geduld die Familie und Freunde bemalte. Die Glücksmomente und das Strahlen am nächsten Tag, als die Bemalungen auf dem Körper ihre volle Farbkraft entfalteten, waren sehr groß. Mit Begeisterung begann sie die Kunst der Hennamalerei sich anzueignen und ihre Ideen und Visionen von Henna zu kreieren. Nicht nur die Haut war Ihre Leinwand, Experimente mit anderen Textilien und Oberflächen kamen hinzu. Das Hennamalen ist für Sie eine künstlerische Leidenschaft, aus der sie positive Energie schöpft und diese weitergibt, in Form wunderbarer Hennaverzierungen die Träger sowie Betrachter gleichermaßen faszinieren Hautnah erleben Sie Ihre Künste vom 20.-24. Juli auf dem größten indischen Filmfestival „Bollywood and beyond“ in Stuttgart.

Dieser Artikel erschien in der Juni Ausgabe 2011.