Die traditionelle indische Heilmethode Ayurveda hat bis heute viele Anwender in Indien, Nepal und Sri Lanka. Ayurveda bedeutet wörtlich übersetzt Lebensweisheit oder Lebenswissenschaft. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Wörtern Ayus (Leben) und Veda (Wissen) zusammen. Die Heilmethode ist eine Kombination aus Erfahrungswerten und Philosphie, die sich auf die menschliche Gesundheit und Krankheit konzentriert. Die zentralen Elemente des Ayurvedas sind Ayurveda-Massage und Reinigungstechniken, Ernährungslehre, spirituelle Yogapraxis und Pflanzenheilkunde.
Jedoch stellen manche Wissenschaftler immer wieder die ayurvedischen Methoden in Frage. Ist Ayurveda nun eine echte Heilkunst oder nicht? Wir haben für euch die drei häufigsten Vorurteile zusammengetragen.

1. Vorurteil: Ayurveda ist nur eine spirituelle Philosophie

Viele Heilpraktiker oder ayurvedische Therapeuten betonen den spirituellen Grundlagen, von denen die Theorien des Ayurveda abgeleitet sind, zu sehr. Dadurch glauben viele Menschen, dass das System nicht wissenschaftlich sei.

Doch in der Theorie wurde zunächst ein komplexes System nicht veränderlicher universeller Gesetze in Bezug auf die Handlungsweise (Karma), die Eigenschaften (Guna), die Subtanzen (Dravya) und das Gleichgewicht (Samanya und Vishesha) ausgearbeitet. Wenn man sich an dieses System entsprechend hält und die Gesetze anwendet, könnten Ergebnisse in der Behandlung von Krankheiten erzielt werden.

2. Vorurteil: Die Wirkung von Ayurveda ist nicht sofort

Die Wirkung der Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dabei spielen insbesondere die bisherige Dauer, die Schwere der Krankheit und der Zustand des Patienten eine ausschlaggebende Rolle.

Die Heilkunst kann zum Beispiel bei akuten Krankheiten wie Fieber, Husten und Erkältungen ihre Wirkung schnell und dauerhaft entfalten. Gewöhnliche Beschwerden können mit Ayurveda normalerweise sogar innerhalb von 24 Stunden unter Kontrolle gebracht werden, wenn alle Maßnahmen der Behandlung durchgeführt und alle Anweisungen des ayurvedischen Arztes umgesetzt werden.

3. Vorurteil: Ayurveda hat keine Nebenwirkungen

Die beliebte Aussage des westlichen Medizinsystems lautet: „Was wirkt, hat auch Nebenwirkungen; fehlen Nebenwirkungen, so fehlt auch die Wirkung.“ So ist es auch bei der ayurvedischen Anwendung. Die Nebenwirkungen von Panchakarma beispielsweise, einer ayurvedischen Methode zur inneren Reinigung und Entgiftung des Körpers, können stark sein, plötzlich auftreten und sogar lebensbedrohlich sein. Daher muss Panchakarma mit Sorgfalt und auf die klassische Art unter professioneller Anleitung angewendet werden. Auf diese Weise können mögliche Nebenwirkungen gemieden werden.

Doch auch mit einfachen Behandlungsmethoden der ayurvedischen Medizin und Ernährung können leichte Nebenwirkungen auftreten – nämlich dann, wenn tief sitzende Gifte plötzlich im Körper mobilisiert werden und an die Oberfläche drängen, oder auch, wenn die Kraft der Medizin (Virya) sich nicht mit der Verfassung des Patienten (Prakriti) verträgt.