Nicht nur in Hinsicht auf Kultur und Natur hat Indien eine Menge zu bieten, sondern auch im Hinblick auf Religion. Schließlich ist der Subkontinent der Ursprung von gleich vier großen Religionen, dem Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Eine weitere große Glaubensgemeinschaft im heutigen Indien ist der Islam, und auch das Christentum ist vertreten.

Wer auf den Spuren Buddhas wandeln will, reist am besten in den Bundesstaat Uttar Pradesh. Neu Delhi ist ohnehin eine beliebte Destination für Touristen, wer dort hinreist kann also auch gleich einen Abstecher ins Nationalmuseum machen, wo ein Goldgefäß mit Reliquien Buddhas aufbewahrt wird. Gut 800 Kilometer südöstlich von hier, in Sarnath außerhalb der Millionenmetropole Varanasi, begann Siddharta Gautama um 500 v.Chr. seine aus vier Weisheiten über das Leiden und seine Beendigung bestehende Philosophie an die Menschen weiterzugeben. Heutzutage erinnert eine 43 Meter hohe Statue an Buddha, außerdem gibt es in Sarnath mehrere Tempel und andere historische Bauten, die nicht nur für Menschen auf der Suche nach der Erlösung interessant sind.

Ein Abstecher ins nahe Varanasi lohnt wegen zahlreicher hinduistischer Tempel und dem Spektakel der sich im Ganges waschenden Menschen. (Wer einen empfindlichen Magen hat sei gewarnt: an den sogenannten Ghats, den Uferanlagen des Ganges, herrschen teilweise für westliche Besucher sehr gewöhnungsbedürftige Zustände; der Ganges ist als einer der schmutzigsten Flüsse der Welt bekannt.) Auch das Nebeneinander der Religionsgemeinschaften in dieser Stadt ist sehenswert: das Straßenbild wechselt deutlich zwischen hinduistischen und muslimischen Vierteln, außerdem hat Varanasi auch eine Handvoll historischer Moscheen.

Im an Uttar Pradesh angrenzenden Bundesstaat Bihar begeben wir uns wieder auf die Spuren Buddhas: die beiden kleinen Ortschaften Rajgir und Nalanda sind ehemalige Wirkungsstätten des Erleuchteten, beide haben heute buddhistische Tempel. Und der spirituelle Höhepunkt der Reise ist wohl ein Abstecher nach Bodhgaya, wo ein mutmaßlicher Nachfahre des Bodhibaumes steht, unter dem Buddha seine Erleuchtung fand. Auch heute noch ist der Bodhibaum respekteinflößend und lässt den westlichen Besucher verstehen, welche Faszination Bäume wie dieser durch Jahrhunderte und Kulturkreise hindurch auslösten und -lösen (man denke etwa auch an den Weltenbaum der keltischen Sagenwelt). Hier, am Ursprungsort des Buddhismus, endet die Pilgerreise – denn was könnte schon auf den Baum der Erlösung noch folgen?