Bollywood: Allgemeines

Bollywood ist ein Synonym für die Hindi-Filmindustrie in Mumbai (früher Bombay). Der Name ergibt sich aus den Wörtern Bombay und Hollywood, aufgrund der ähnlich kommerziellen Ausrichtung des indischen und amerikanischen Kinos. Die bekanntesten Filmstudios sind Filmalaya und Film City im Norden der Stadt.
Mit etwa 900 Filmproduktionen pro Jahr ist Bollywood die produktivste Filmindustrie der Welt.

Die meisten Bollywood-Produktionen wurden vorrangig im indischen und asiatischen Raum verbreitet, seit einigen Jahren lässt sich jedoch auch in Europa und vor allem in Deutschland ein Anstieg in der Verbreitung von Hindi-Filmen feststellen.

Geschichte

Der erste indische Spielfilm, Raja Harishchandra, wurde 1913 von Dhundiraj Govind Phalke gedreht, welcher auch später das erste Bollywood-Studio eröffnete. Die erste Tonfilm, Alam Ara („Das Licht der Welt“) entstand 1931 und zeigte schon damals die Unterschiede zwischen dem Hindi-Film und dem westlichen Kinostil auf. So wird der Film beispielsweise oft durch Musik- und Tanzeinlagen unterbrochen. Alam Ara war ein großer Erfolg in den Kinos und bald stellten alle indischen Filmindustrien auf Tonfilm um. Hierbei wurden und werden die Filme auch noch heute hauptsächlich in Hindu produziert. Der Farbfilm setzte sich hingegen erst in den späten 1950er Jahren durch, gegen Ende des sogenannten „Golden Age“ des Bollywood-Kinos. Das „Golden Age“ begann mit der Befreiung Indiens von der britischen Kolonialherrschaft und reichte bis in die 60er Jahre. In dieser Zeit entstanden einiger der berühmtesten Hindi-Filme, die auch internationale Preise gewannen. In den 70er Jahren dominierten actionreiche Banditenfilme die Kinos, bevor es in den 90er Jahren vermehrt zur Produktion romantischer Filme kam. Seit Anfang des Jahrtausends steigt die weltweite Popularität von Bollywood-Filmen, wodurch neue Qualitätsstandards in der Technik erreicht wurden und sich die Handlung der Filme diversifiziert hat.

Merkmale

Seit dem Film Alam Ara gehören Gesang und Tanz zu den prägendsten Merkmalen von Bollywood-Produktionen. Nur in den seltensten Fällen findet man einen Film ohne diese Sequenzen. Oft gibt es bis zu sechs solcher Szenen in einen Film, die in der Regel jeweils zwischen fünf und sechs Minuten dauern.
Die Musik spielt eine große Rolle in der Bewertung und Popularität eines Films. Sie wird teilweise Wochen vor der Filmpremiere veröffentlicht und bei besonders guter Filmmusik wird sogar derselbe Film mehrmals besucht. Somit sind nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Sänger und Komponisten Teil des Star-Systems, welches ein tragendes Element Bollywoods ist.
Die Funktion solcher Musik- und Tanzszenen ist simpel: Der Zuschauer soll in eine bestimmte Stimmung versetzt werden, die durch Musik, Gesang und Tanz verdeutlicht wird. So werden bestimmte Stimmungen und Emotionen wie Traurigkeit, Liebe, Leidenschaft, Verzweiflung, Glück und ähnliches inszeniert. Außerdem können durch Musik und Tanz Figuren eingeführt und Beziehungen vertieft werden. Manchmal dienen sie auch einfach dazu, den Zuschauer zu unterhalten.

Gleichzeitig gibt es aber eine weitere Funktion solcher Szenen. In Indien ist Intimität in der Öffentlichkeit nicht gerne gesehen, weshalb Küssen in Filmen meist nur angedeutet wird. So kann es beispielsweise sein, dass ein Schauspieler nur wenige Zentimeter vom Gesicht seiner Partnerin entfernt ist, dann aber die Musik anfängt und lautstark gesungen wird. Während in Amerika Sexszenen als üblich gelten, wird ein Filmkuss in bestimmten Teilen Indiens gar als Anstößigkeit, die über den Erfolg des Films nachhaltig mitentscheiden kann, gesehen. So werden derartige Szenen also durch Musik und Tanz ersetzt.

Weitere „versteckte“ Erotik findet sich in den typischen Regen- oder Wasserszenen, welche ursprünglich eingeführt wurden, damit die Kleider nass werden und eng anliegen. Heutzutage ist das aber nicht mehr unbedingt der Hauptgrund. Vielmehr hat sich die Regenszene als eigenes Stilelement eingereiht, das mittlerweile einfach dazugehört, wie es auch in Hollywood und anderen Produktionsstätten der Fall ist.

Handlung

Die Handlung des Hindi-Films hat sich mit der Zeit entwickelt. In den 1970er Jahren erschienen viele actiongeladene Filme. Seit Mitte der 1990er Jahre dominieren eher Liebesfilme, die sich oft um prunkvolle Hochzeiten drehen. Dennoch lässt sich ein genereller Trend feststellen: Ein gelungener Film sollte alle neun Rasas, die traditionellen, aus der indischen Ästhetik stammenden Grundstimmungen enthalten: Liebe, Heldentum, Ekel, Komik, Schrecken, Wundersames, Wut, Pathos und Friedvolles. Diese äußern sich oft in Filmthemen wie enttäuschte oder unerfüllte Liebe, Familienprobleme, Kämpfe, Tragödien, heimliche Liebschaften, Trennung und Verrat, die jedoch meist mit einem Happy End aufgelöst werden.

Der Reiz Bollywoods

Oft zeigen Bollywood-Filme Indien in edlem Glanz, mit wunderschönen Farben, glitzernden Saris und spektakulären Ausstattungen. Daraus entsteht eine Traumwelt, die oft kaum der Wahrheit gleicht, denn ein großer Teil Indiens ist sehr arm.
Bollywood ist eine Welt aus Wünschen und Träumen – und auch ein wenig Wirklichkeit.