„Für die, die mit der Welt zufrieden sind so wie sie ist, gibt es offensichtlich keinen Grund für die Existenz Aurovilles.“ – Die Mutter, 1966

Alternative Lebensstile sind heute nichts Außergewöhnliches mehr: jeder hat wohl mindestens einen Vegetarier oder Veganer in seinem Bekanntenkreis, auch freie soziale oder ökologische Jahre sind gang und gäbe geworden. Wenn du eine Auszeit vom Alltag brauchst, wirf doch mal einen Blick auf das Projekt Auroville in Südindien.

Auroville ist ein soziales Projekt, das als das einzige fortlaufende Experiment zu menschlicher Einheit und nachhaltigen Lebensstilen internationale Anerkennung erworben hat. Um diese Aspekte voranzubringen, gründete Mirra Alfassa, in Auroville auch als „die Mutter“ bekannt, im Jahr 1968 eine Gemeinde, die Mitglieder aus aller Welt willkommen heißen sollte. Sie selbst war die Tochter eines ägyptischen Vaters und einer türkischen Mutter und lebte in jungen Jahren in Frankreich und Algerien, bevor sie nach Puducherry zog, um ihre Vision einer friedlichen internationalen Gemeinschaft zu verfolgen. Das Projekt wurde dann auch von der indischen Regierung und der UNESCO unterstützt – letztere nannte es ein wichtiges Projekt für die Zukunft der Menschheit.

Heute hat die Gemeinde eine Größe von etwa 2.500 Einwohnern erreicht – und sie wächst stetig weiter. Die Ideen des Experiments scheinen gut anzukommen sowohl bei den Indern, die etwa ein Drittel der Bevölkerung stellen, als auch bei den Einwohnern und Gästen aus aller Welt. Die Stadt ist in konzentrischen Kreisen aufgebaut: den innersten Kreis bildet die Friedenszone, ein Park in dessen Mittelpunkt sich eine Urne mit Erde aus allen indischen Staaten und allen Ländern der Welt befindet. Um die Friedenszone herum sind die Stadtteile angesiedelt, mit gesonderten Bereichen für Arbeit, Wohnen, Internationales sowie Kultur und Freizeit. Ganz außen zieht sich eine Grünzone um die Stadt.

Für wen sich das alles spannend und einen Besuch wert anhört, gibt es mehrere Möglichkeiten, am Projekt teilzuhaben: etwa einen Kurzbesuch von wenigen Tagen, bei dem man in Unterkünften von einfachen Räumen in riedgedeckten Hütten bis zu kleinen Gästehäusern wohnen und an Workshops zu Themen wie Yoga, natürliche Heilmethoden, Stadtentwicklung oder alternatives Wirtschaften teilnehmen kann. Wer länger bleiben möchte, kann zum Beispiel Freiwilligenarbeit leisten; hier wird jedoch in der Regel auf einer Mindestdauer von mehreren Monaten bestanden. Für jede Art des Besuchs ist die Hauptsaison von Dezember bis März. Und wer weiß, vielleicht begeistert Auroville den einen oder anderen ja so sehr, dass es bald wieder internationalen Zuwachs erhält.