Auch wenn es vielleicht nicht die große WG-Liebe war: wenn man zu einer Brahmanen-Hochzeit eingeladen wird, sagt man nicht Nein. Und so kommt es, dass Lena und Charlotte sich auf einem dreitägigen Fest in Hampi wiederfinden, weil sie mal für ein halbes Jahr mit Abhinava zusammengewohnt haben, als er als Austauschstudent in Hildesheim war.

Ja, drei Tage – und dabei handelt es sich hierbei um das absolute Minimum. Wer Teil der brahmanischen Kaste ist, von dem wird erwartet, eine mehrtägige Hochzeit zu feiern. Im Gespräch mit Bewohnern Hampis wird schnell klar, dass es in der ganzen Stadt nur drei Orte gibt, an denen Brahmanen ihre Hochzeiten feiern.

An einem von diesen Sälen angekommen, werden Lena und Charlotte erst einmal von einem Freund des Bräutigams in das teuerste Abendmoden-Geschäft Hampis mitgenommen – schließlich haben sie noch keine Saris, und auf einer Hochzeit keinen Sari zu tragen, wäre eine Undenkbarkeit. Eine weitere Undenkbarkeit: im Haus Schuhe zu tragen. Schuhe gelten im Hinduismus als unrein, das Barfußlaufen im Haus wird als hygienischer empfunden.

Auch Alkohol ist für Hindus tabu – was ihrer Feierlaune am ersten Abend der Hochzeit jedoch keinerlei Abbruch tut. Dieser Teil des Fests ist wohl der, der aus westlicher Sicht noch am vertrautesten wirkt: es gibt Musik und ausgelassenen Tanz. Der Saal ist prächtig mit frischen Blumen geschmückt. Prächtig und üppig ist auch das Abendessen: die Gäste sitzen an einer langen Tafel, jeder hat ein großes Bananenblatt vor sich. Kellner kommen herein und servieren jedem Gast eine kleine Portion eines Gerichts, bis jeder etwa 15 bunte Kleckse vor sich hat. Gegessen wird natürlich mit den Fingern.

Der gesamte zweite Tag ist für Rituale reserviert. Ohne detailliertes Wissen über den Hinduismus wirken diese größtenteils unerklärlich: Braut und Bräutigam sitzen inmitten des Saals auf einer Bühne, während Angehörige und Priester sie segnen, ihnen Dinge zu essen geben oder sie ihnen ins Gesicht streichen. Irgendwann folgt dann das zentrale Ritual, das die Eheschließung rechtskräftig macht: der Sari der Braut wird mit dem Schultertuch des Bräutigams verknotet, danach gehen beide gemeinsam sieben Mal um ein auf der Bühne loderndes heiliges Feuer.

Der dritte Tag scheint mehr für die Gäste da zu sein als für das Brautpaar: die beiden stehen den ganzen Tag auf der Bühne und jeder ihrer Gäste beglückwünscht sie und macht ein Foto mit ihnen. Nach diesem Tag wundert es auch nicht, dass Lena und Charlotte für den Rest ihres zweiwöchigen Aufenthalts nichts mehr von Abhinava und seiner Braut sehen – sie sind krank, vollkommen erschöpft von der eigenen Hochzeit.